9. Symposium 2019: Educational Technology

9. Symposium: Educational Technology

2019 trafen wir uns zum nunmehr 9. Mal mit VertreterInnen aus Wirtschaft und Politik zu unserem traditionellen Denkwerkstatt-Symposium. In diesem Jahr diskutierten wir intensiv über einen Aspekt der Digitalisierung, der in den USA größte Beachtung findet: Educational Technology, kurz EdTech.

Weltweit werden sich in den kommenden Jahren 30 Prozent aller Arbeitsplätze durch die Digitalisierung verändern. Unternehmen stehen daher bereits heute vor den größten Lernherausforderungen ihrer Geschichte:

  • Wie werden wir in den nächsten Jahren digital und analog lernen?
  • Welche Erfahrungen gibt es nach den mäßigen Nutzerquoten von E-Learning und MOOC?
  • Was können Manager aus diesen Erfahrungen lernen?
  • Wie können wir die Lernkultur im eigenen Unternehmen gestalten?

In unserem bewährten Rhythmus, auf einen 20 Minuten-Vortrag folgt ein kritischer Diskurs, startete Roland Geschwill den Symposium-Tag mit einem Vortrag über den US-amerikanischen Zukunftsforscher Alvin Toffler. Seine These: „Die Analphabeten des 21. Jahrhunderts werden nicht diejenigen sein, die nicht lesen und schreiben können, sondern diejenigen, die nicht lernen, verlernen und wieder lernen.“ Eine These, die Toffler bereits 1970 aufstellte – und die heute aktueller ist denn je. Und weil sicher ist, dass unsere Arbeitsplätze immer digitalisierter werden, werden wir auch immer mehr lernen müssen – was ein enormes Lernprogramm zur Folge hat. Eine Entwicklung, die Toffler bereits vor 50 Jahren voraussah.

Dieser Lerndruck ist allerdings nicht nur für Mitarbeiter und Führungskräfte eine Herausforderung, sondern auch für Unternehmen, die sich entsprechend aufstellen müssen. So verwundern dann auch die Erfahrungen der Symposium-Teilnehmer nicht:

„Auch wenn vieles technisch bereits möglich ist, die meisten Unternehmen sind derart schlecht ausgestattet, dass das noch viele Jahre dauern wird, bis nicht mehr nur diskutiert wird.“

„Es ist ein Kulturthema. Daher muss an allen Stellen diskutiert werden. Leider lassen sich viele Führungskräfte und Mitarbeiter nicht darauf ein.“

„Bei uns im Unternehmen lassen sich Mitarbeiter auf technische Neuerungen erst ein, wenn sie keine andere Möglichkeit mehr haben.“

„Man muss das Lernen (wieder) lernen.“

 

In dieser Stimmung traf der Performance-Künstler Jens Thomas mit seinen philosophischen Gedanken zu Computerlernen und Unternehmenskultur den Nerv der Symposium-Teilnehmer. Nun sollte man die Performance des Künstlers nicht beschreiben, sondern erleben. Nur so viel: Thomas ging auf den Ursprung des Lernens ein und bezog die fünf Stufen der Trauer auf Lernprozesse. Ein unverwechselbares und unvergessliches Erlebnis.

Wie lernen wir eigentlich und welche Technik benötigen wir dazu?, waren die Fragen, die Dr. Volker Zimmermann von NeoCosmo, in seinem Vortrag „Lernen & Technik – was in Zukunft wirklich zählt!“ nachging. Sein Fazit: Um notwendiges Know-how erwerben zu können, brauchen wir viele verschiedene Bausteine. Das Gegenteil davon ist das Entwickeln einer Plattform und zu denken, dass das ausreicht, um Mitarbeitern das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben. Vielmehr sollten Unternehmen für ein erfolgreiches und nachhaltiges Lernen einen fließenden Übergang zwischen Wissensvermittlung und dem Anwenden schaffen. Denn der digitale Lebensstil verändert, wie wir uns informieren und lernen – privat und im Beruf. Auch nach diesem Vortrag wurde intensiv über den aktuellen Stand in Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert:

„Mitarbeiter sind nicht dumm. Darum müssen Unternehmen ihnen nicht beibringen, was sie zu lernen haben. Sie müssen von sich aus lernen.“

„Wie aber ist es mit der Fehlertoleranz, wenn Mitarbeiter sich alles eingeständig beibringen – und dann Fehler produzieren? Brauchen wir nicht vielmehr einen gesunden Mix aus Eigeninitiative, Unternehmensunterstützung und Coaching?“

„Lassen wir unsere Mitarbeiter machen, sind sie erfolgreich. Die brauchen den Druck von oben nicht.“

„Sitzen verschiedene Persönlichkeiten an einem Projekt, entstehen große Dinge. Allerdings nur, wenn Unternehmen bereit sind, die Kontrolle abzugeben.“

„Wenn Führungskräfte das Interesse ihrer Mitarbeiter wecken, müssen sie nicht steuern.“

Der IT-Experte Marcel Bartetzki (NTRAX) sprach mit Roland Geschwill über non-formales Lernen. So interessiert er sich beispielsweise bei der Einstellungen von Mitarbeitern nicht für ihre Lebensläufe, sondern vielmehr für den Menschen hinter dem Lebenslauf. Auch sieht er das zukünftige Lernen weniger abschlussorientiert. Denn Menschen entwickeln sich gern weiter – oder eben nicht. Der Druck eines Zertifikats ändert an ihrer Motivation wenig. Nicht verwunderlich, auch bei diesem Thema wurde sehr kontrovers diskutiert:

„Ein Studium vermittelt Studenten eine Art, zu denken sowie eine Art, Probleme zu lösen.“

„In Deutschland sind Bildungsabschlüsse und Titel noch immer sehr wichtig. Ein Dr.-Titel beispielsweise ist für viele Unternehmen ein Qualitätsmerkmal.“

„Eine weitere Herausforderung ist, Menschen mitzunehmen, die praktisch veranlagt sind, in der Theorie allerdings versagen. Mit dem ‘Überschulten’ verlieren wir Menschen aus handwerklichen Berufen.“

Zum Schluss des Symposium-Tages erzählte Claudio Thunsdorff vom Learn Experiment Blended Learning der „Denkwerkstatt für Manager“. Anhand von Tablets, die die Denkwerkstatt bei ihren Seminaren einsetzt, demonstrierte er die eingesetzte Software, zeigte die verschiedenen Aufgaben und erläuterte die Vorteile für Mitarbeiter und Unternehmen.

Und auch das hat beim Denkwerkstatt-Symposium Tradition: Wieder sorgte Andreas Stolze von „Die Partyplaner“ mit seiner hervorragenden Pfälzer Küche und seinem großartigen Service für das leibliche Wohl.

 

Impressionen vom 9. Symposium „Educational Technology“