EDTech in Unternehmen

Lernen als Schlüssel für Innovation und Wachstum in Zeiten der Digitalisierung

Digitalisierung verändert die Unternehmen: Organisation und Geschäftsmodelle, Produktentwicklung und Produktion, Marketing und Vertrieb, und nicht zuletzt die Kundenbeziehungen. Und sie verändert die Art und Weise, wie zukünftig in Unternehmen gelernt wird. Der technologische Wettlauf ist in Wirklichkeit ein Bildungswettlauf. Das ist unsere Ausgangsthese im Buch EdTech in Unternehmen: Lernen als Schlüssel für Innovation und Wachstum in Zeiten der Digitalisierung.

EdTech als ganzheitlicher Ansatz ist der Schlüssel für eine zeitgemäße Art der Bildung in Unternehmen. Er umfasst eine neue Lernkultur, selbstorganisiertes Lernen am Arbeitsplatz, kollaboratives Lernen auf Social-Learning-Plattformen und individualisierte, auf die Bedarfe jedes einzelnen Mitarbeiters zugeschnittene Lernprogramme.

Doch Lernen betrifft auch jeden Einzelnen. Jeder Mensch wird seine Weiterentwicklung selbst organisieren müssen. Wer das nicht versteht, wird abgehängt. Zu vielfältig sind die analogen und digitalen Qualifizierungsangebote, zu individuell werden die Lernbiografien in den kommenden Jahren werden, dass eine übergeordnete Instanz noch vorgeben kann, was, wann und wo ein Einzelner lernen muss.

Viele tun so, als hätte es die Reformpädagogik, PISA, E-Learning und MOOCs nie gegeben

In Wirtschaft und Gesellschaft ist diese Botschaft noch nicht so richtig angekommen. Nur einige innovative Bildungsexperten diskutieren das neue Lernen. Die grundsätzlichen Diskussionen um Lernen an Schulen, Universitäten und in Unternehmen sind noch viel zu sehr von dem Gestern geprägt. Die Bildungsorthodoxie hat immer noch die Meinungsführerschaft.

Viele tun so, als hätte es die Reformpädagogik, PISA, E-Learning und MOOCs nie gegeben. Die Protagonisten dieser epochalen Meilensteine haben die Erfahrungen gemacht, dass sich Lernen sehr individuell vollzieht. Und sie haben das Rollenverständnis, die dahinterstehende Haltung und die Methodik beim Lernen dieser Erkenntnis angepasst. Lernen, das sich der Lust am Neuen entzieht, produziert Langeweile. Lernen ohne Neugier produziert nichts Neues, es ist das Verwalten von Wissen. Blick man in viele Bildungsgremien, dann haben dort die Verwalter das sagen.

Dann braucht es auch nicht wundern, dass man wenig Lernbegeisterung und wenig Aufbruchstimmung bei den Menschen spürt. Bildungsverantwortliche haben in erster Linie den Auftrag aufzuklären und zu überzeugen. Wenn das nicht gelingt, dann wird das nichts werden mit der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft.

Wirtschaft und Gesellschaft braucht eine zweite Aufklärung und keine schwarzen Priester

Die Digitalisierung wird für einige Menschen harte biografische Auswirkungen haben. Die Antwort kann nur sein, dass der Einzelne auf Bildung baut und sich emanzipiert. Statt ängstlich auf die Warnungen der Tagespresse vor den Ideen aus dem Silicon Valley zu schauen, ist es vermutlich besser, sich zehnmal am Tag das erste Gebot des kantischen Imperativs von Kant aufzusagen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit!“

Es sind viele Schwarzmaler unterwegs. Das sind diejenigen, die vor dem Internet in vielen Facetten warnen und gleichzeitig für ihre Thesen mit Spaß und Freude im Internet recherchieren. Mit ihren destruktiven Debatten lullen sie die Menschen ein und lenken ab von den wichtigen Themen.

Die Möglichkeiten des Wissens- und Kompetenzerwerbs online in der Kombination mit selbstgesteuertem Lernen sind das neue Gold für jede und jeden von uns. Wirtschaft und Gesellschaft braucht hier eher eine zweite Aufklärung und keine schwarzen Priester, die Angst vor Blechkisten, Datensicherheit und deren Möglichkeiten verbreiten.

Spannende, emotionale Lernerlebnisse zu schaffen ist möglich, wenn es gelingt, eine neue Lernkultur zu schaffen

Welch Wunder, in China gibt es diese Warner nicht. Die Opposition in Honkong, Peking und Ürümqi hat viel über das Internet gelernt und würde sich über einen freien Zugang freuen. In Europa sind die Voraussetzungen für den Einzelnen großartig, um seine eigene Bildungsrevolution zu starten. Das gilt erst recht für Unternehmen.

Wir haben in dem Buch Lösungen aufgezeigt, wie professionelles Lernen gelingen kann. Spannende, emotionale Lernerlebnisse zu schaffen ist möglich, wenn es gelingt, eine neue Lernkultur zu schaffen und die Möglichkeiten der Educational Technologies auszuschöpfen.

Literaturtipp

EdTech in Unternehmen
Lernen als Schlüssel für Innovation und Wachstum in Zeiten der Digitalisierung
von Dr. Martina Nieswandt, Dr. Roland Geschwill und
Dr. Volker Zimmermann
Springer Gabler (1. Auflage, Dezember 2019)
39,99 € (D)
ISBN 978-3-658-26843-5