Start-up-Kultur für etablierte Unternehmen

Start-up-Kultur für etablierte Unternehmen

Projekt aufsetzen, durchexerzieren, Tempo machen, auf Teufel komm raus, lautet die Empfehlung von Oliver Samwer an Konzerne, die auf der Suche nach dem goldenen Schlüssel für die Digitalisierung sind. Doch, können sie überhaupt so agieren?

Oliver Bäte, ehemaliger McKinsey-Berater und mittlerweile Chef der Allianz, dem größten europäischen Versicherer, sorgte sich, ob in seinem Unternehmen der Digitalisierung ausreichend Bedeutung zugemessen wurde. Wie einst Tom Peters – auf der Suche nach Spitzenleistungen – reiste Bäte durch die 70 Landesgesellschaften und sprach mit den Mitarbeitern des Unternehmens.

Dabei stieß er auf viele gute Ideen. Indische Kollegen erfanden beispielsweise eine revolutionäre App, mit der Kunden nach einem Autounfall den Schaden fotografieren können. Die App liefert anschließend eine Schadensdiagnose, einen Kostenvoranschlag und Werkstätten im Umfeld. Der gesamte Vorgang wird also auf dem Smartphone abgewickelt.

Mit dieser Innovation müssten Kunde weder Formulare ausfüllen, noch sich in Telefon-Hotline schwindlig durchfragen. Das Unternehmen könnte mit der App Prozesskosten, Personal sowie Zeit sparen.

Wie bringt man das einer Großorganisation mit ihren Dutzenden Landesfürsten bei?

Diese Frage stellte Bäte auf seiner Listening-Tour einem alten McKinsey-Kumpel, der heute als freier Radikaler um den Globus zieht: Jungmilliardär Oliver Samwer produziert mit seiner Holding „Rocket Internet“ Start-ups in Serie. Seine Empfehlung an Allianz-Chef: Projekt aufsetzen, durchexerzieren, Tempo machen, auf Teufel komm raus. Doch was für Samwer-Start-ups ein Kinderspiel ist, ist für die verschachtelte Allianz, wo die wilden Denker eben nicht zu Hause sind, eine große Herausforderung. Deshalb schob Bäte einen „Digital Accelerator“ an, eine Einheit außerhalb der Hierarchie. Denn die Allianz soll unter ihm schneller und bunter werden.

Wir von der Denkwerkstatt für Manager gründen mit Unternehmen gemeinsam Start-ups. Denn wir sind davon überzeugt, dass Bätes Weg der Ausgründung der einzig richtige Weg ist, um fraktale Innovation in Unternehmen zu erzielen. Einen ebenfalls interessanten Weg ging der Klöckner-Chef Gisbert Rühl in Duisburg. Er lud Start-up-Gründer ins Unternehmen ein, um Lösungen zu entwickeln, wie sie das Geschäftsmodell des traditionsreichen Handelshauses angreifen können. Anschließend entwickelte er eine digitale Handelsplattform, die irgendwann auch den Mitbewerbern zur Verfügung steht. „Damit wird womöglich ein Teil unseres Kerngeschäftes wegfallen. Vielleicht liefern manche Produzenten dann direkt an unsere Kunden“, so Rühl. „Trotzdem machen wir es lieber selbst, als dass es irgendwann jemand anderes macht“, so der Klöckner-Chef weiter.

Der Düsseldorfer Metro-Konzern hat das US-amerikanische Unternehmen Techstars gekauft. Das Jungunternehmen soll frische, digitale Ideen für die Gastronomie, Hotels und Caterer entwickeln. „So, wie Start-ups Ideen entwickeln, können wir selbst als großer Handelskonzern das nie machen“, so der Metro-Boss Olaf Koch.