Schlechte Noten für Führungskräfte!

Schlechte Noten für Führungs-kräfte!

Microsoft, SAP und andere Unternehmen haben die Bewertung von Mitarbeitern eingestellt. Wurde früher viel Wert darauf gelegt, Mitarbeiter durch Führungskräfte regelmäßig bewerten zu lassen, erkennen immer mehr Unternehmen, dass das Verfahren viel Aufwand bedeutet und wenig tatsächlichen Profit für das Unternehmen bringt.

Die jährlichen Rituale führen bei vielen Beteiligten zu mehr Demotivation als zu konstruktiven Ergebnissen. Eine Alternative ist, Führungskräfte statt Mitarbeiter zu bewerten.

Warum nicht wie die RAG Führungskräfte bewerten?

Als die Bundesregierung in den 1990er-Jahren beschloss, aus der Subventionierung des deutschen Steinkohleabbaus auszusteigen war klar, dass das Unternehmen – damals noch mit dem Namen Ruhrkohle AG – bis 2018 ca. 100.000 Arbeitsplätze abbauen muss. Wie kommuniziert ein Vorstand eine solche Hiobsbotschaft an die Belegschaft? Denn die Zumutungen für die ortsverbundenen Mitarbeiter waren hart. Wurden zum Beispiel Zechen geschlossen, musste die Belegschaft weit entfernte Arbeitsplätze in anderen Gruben annehmen. Dabei sollten sich die Führungskräfte um jeden Kumpel und dessen Perspektive in diesem Prozess kümmern.

Mit dem Sozialpartner wurde vereinbart, dass es eine Führungskräftebewertung durch die Kumpel geben sollte. Wer schlecht führte und sich nicht um seine Mitarbeiter kümmerte, wurde als Führungskraft ersetzt. So hat die RAG den massiven Arbeitsplatzabbau erfolgreich bewältigt.

Google setzt auf transparentes Führungs- und Mitarbeiterfeedback

Im Gegensatz zu vielen Unternehmen in der Digitalbranche setzt Google weiter auf die Bewertung von Arbeitsleistung – und veröffentlicht die Bewertungsergebnisse, auch bis zum Vorstand. Das heißt, dass sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter halbjährlich eine Rückmeldung über ihre Leistung erhalten. War noch der ehemalige GE-Vorsitzende (Eisen-)Jack Welch der Auffassung, dass die untersten zehn Prozent der Mitarbeiter als Schlechtleister das Unternehmen verlassen mussten, geht Google heute den Weg, die Ergebnisse dieser Gruppe transparent zu machen. Das gleiche gilt für Führungskräfte, die schlecht führen.

Google führt diese Form des transparenten Feedbacks auch in Deutschland durch. Wir haben uns davon selbst überzeugt. Die Beteiligten erfahren so, wo sie stehen und wie sie im Unternehmen gesehen werden. Google geht in seinem Menschenbild generell davon aus, dass Menschen gute Leistungen erzielen wollen. Bei mehreren Millionen Bewerbungen pro Jahr auf offene Stellen und als Direktbewerbungen ist diese Annahme durchaus berechtigt. Da sich in den kommenden Jahren viele Stellen in Unternehmen auch in Deutschland verändern werden, ist es durchaus eine Option, über solche Formen der Leistungsbewertungen nachzudenken.