Reich durch Robo-Advisor

Reich durch Robo-Advisor

Robo-Advisor heißen Roboter, die in Zukunft die Geldverwaltung von Vermögenden übernehmen sollen. Was bisher die Domäne von Banken und Anlageberatern war, soll nun digitalisiert werden. Die Branche verspricht billiger und besser als die Konkurrenz zu sein. Revolutionär erscheint dieses Form der Digitalisierung jedoch nicht.

Noch stecken die Robo-Advisor hierzulande in der Nische fest. Selbst die größten von ihnen verwalten nicht einmal 50 Millionen Euro. In den Vereinigten Staaten kommen vergleichbare Anbieter bereits auf Vermögen in Milliardenhöhe.

Sind Roboter in der Geldanlage besser?

Daniel Kahnemann, Psychologe und Nobelpreisträger, hat einst US-amerikanischen Investmentbanken die Leviten gelesen: Ihre Investitionserfolge am Aktienmarkt seien nichts anderes als Zufall und sie würden sich – wissenschaftlich gesehen – wie Zocker am Roulettetisch verhalten. Der Risikospezialist Nassim Taleb, der an der Börse sehr reich wurde, setzte bei seinen Geldgeschäften immer auf die Gegenstrategie des Mainstreams. Robo-Advisor hingegen verzichten auf Beratung. Sie stellen dem Kunden nur ein paar Fragen zu seinem Risikoverhalten, der Anlagedauer, der Höhe der Investition usw. – und entwerfen anschließend eine Anlagestrategie.

Der Anspruch in der jungen Szene ist hoch: Ihre Computer sollen besser und billiger als die Geldverwalter der Banken sein. Wer Kunde ist, bekommt bei ihnen nicht wortreich erklärt, warum sich Dax und Dollar in den kommenden Monaten nur so und nicht anders entwickeln können und deshalb dieses oder jenes Finanzprodukt unbedingt gekauft werden muss. Es reicht, wenn der Kunde am Bildschirm einige Fragen zu seiner Person (u.a. zu Alter, Renditeziel, verfügbares Einkommen) beantwortet. Dann bekommt er ein Standardportfolio empfohlen.

Teure Investmentfonds und Zertifikate sind verpönt

Dabei passt der Anteil von Aktien, Anleihen und Rohstoffen zum jeweiligen Risikoappetit des Anlegers. Um die Kosten im Griff zu behalten, greifen die Computer zur Umsetzung auf günstige Indexfonds zurück. Teure Investmentfonds und Zertifikate sind bei fast allen verpönt.

Beim Lesen über Robo-Advisor hat man den Eindruck, dass hier übliche, digitale Hilfsmittel von professionellen Anlageberatern demokratisiert werden. Man kann sich gut vorstellen, dass in Zukunft Direktanlagebanken wie ING-DiBa, Bank 24 oder Comdirect solche Roboter ihren Kunden als Anlageerstvorschlag zur Verfügung stellen. Revolutionär erscheint dieses Form der Digitalisierung jedoch nicht.