IBM und Schaeffler kooperieren

IBM und Schaeffler kooperieren

Viele Menschen haben heute die Vorstellung, dass sie auch in Zukunft über Desktop, Laptop, Smartphone oder Tablet ins Internet gehen. Physiker wie Michio Kaku wissen jedoch, dass das in ein paar Jahren als rückständig angesehen werden wird – wie die Nutzung der Floppy-Disk in den 1980er-Jahren heute.

Stecken heute Chips in PCs oder Smartphones, werden Sie in Zukunft im Innern jedes Artefakts – ob Möbel, Geräte, Bilder, Wände, Autos, Kleidung, Brillen, Uhren, usw. – sein, miteinander und mit uns kommunizieren.

Sobald Geräte mit Chips bestückt wurden, verwandelten sie sich wie ein Wunder:

  • aus Schreibmaschinen wurden Textverarbeitungsgeräte
  • aus Telefonen wurden Handys und Smartphones
  • aus Fotoapparaten wurden Digitalkameras und -videos
  • aus Flippern wurden Spielekonsolen
  • aus Plattenspielern wurden Ipods
  • aus Flugzeugen wurden Drohnen

Industrie 4.0 zwingt Unternehmen zur Kooperation

Der fränkische Autozulieferer Schaeffler weiß, dass Chips in Zukunft in allen Komponenten eines PKW sein, miteinander kommunizieren und sich gegenseitig steuern werden. In der Industriesparte des Unternehmens läuft gerade das Restrukturierungsprogramm „Core“, das 500 Arbeitsplätze in Frage stellt: Was nicht digital arbeitet, wird in kurzer Zeit überflüssig sein.

IBM leidet heute unter der Entwicklung, dass Kunden ihre Daten in Clouds legen und nicht mehr auf IBM-Computern speichern. Denn das neue Geschäft ist weniger beratungs- und wartungsintensiv. Weil es neue Geschäftsfelder braucht, baut IBM seit Jahren seine kognitive Kompetenz aus. Das Cognitive-Computing beispielsweise kann Sprache und riesige Datenmengen verarbeiten. Und weil der Rechnerverbund WATSON die neue Cashcow des Unternehmens sein wird, investiert IBM allein in München in das neue Watson-Innovationszentrum bis 2018 200 Millionen US-Dollar.

Klassische Industrie und Informationstechnologie verschmelzen

IBM kann komplexe Daten analysieren, vernetzen und interaktiv steuern. Schaeffler kann Industrie. Daher gehen beide nun eine Industriepartnerschaft ein. Keiner versteht wirklich etwas vom Geschäft des anderen. Gemeinsam jedoch sind sie eine zukunftsfähige Allianz. Klassische Industrie und Informationstechnologie verschmelzen.

Was in den kommenden fünf Jahren tatsächlich an Produkten und Geschäftsideen aus der Kooperation entstehen wird, wissen heute beide nicht. Sie wissen nur, dass sie von der Kompetenz des anderen in die zukünftigen Märkten profitieren können.

Solche Kooperationen bergen aber kulturelle Risiken. Denn deutsche und US-amerikanische Managementsysteme sind sehr unterschiedlich. In Europa wird partizipativ geführt und entschieden, in den USA sehr hierarchisch. Menschen, die in der IT und Menschen, die im Maschinenbau arbeiten, sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Maschinenbau plant gerne sorgfältig, in der IT geht es auch mal „quick & dirty“. IBM ist ein internationaler Großkonzern mit allen Vor- und Nachteilen, Schaeffler ein großer deutscher Mittelständler. Spannend wird hier, wie die kulturellen Unterschiede in einer Kooperation bewältigt werden.