Digitale Transformation in der Bundesliga

Digitale Transformation in der Bundesliga

Am 14. Juni ist es soweit: die Fußballweltmeisterschaft startet in Russland. Und weil die Digitalisierung nicht vor dem Fußball haltmacht, bleibt abzuwarten, wer das Rennen macht. Denn nur Physis und technische Ausbildung sind vergleichbar.

Das Team vernetzen, an Trainingsübungen teilnehmen, Trainingsideen herunterladen – mit der Fußballsoftware von easy2coach.net können Vereine spielend ihre Mannschaft verwalten. Die TSG Hoffenheim beispielsweise war bereits beim Bundesligaaufstieg 2008 ein äußerst innovativer Verein: Mit Ralf Rangnick hatte man einen der modernsten Trainer verpflichtet und mit Hans-Dieter Hermann einen Psychologen. Ein Psychologe in der Fußballbundesliga galt damals übrigens noch als kreative Lösung. Und mit Bernhard Peters, ehemaliger Bundestrainer im Feldhockey, hatte der Verein sich einen Taktikfuchs aus einer anderen erfolgreichen Mannschaftssportart geholt – was damals als sehr modern galt. Das war weit vor 2013, als der DFB mit dem Peters-Nachfolger Markus Weise einen Hockeytrainer für die Leitung der DFB-Akademie holte.

Der Sportpsychologe Jan Mayer, Nachfolger von Hans-Dieter Hermann, ist in Sachen Innovation ähnlich engagiert wie seine Kollegen zuvor. Vor ein paar Jahren noch hielt er wenig von Denkpsychologie. Doch der Fußball hat sich in den letzten zehn Jahren entscheidend verändert. Alexander Rosen, der beim Verein den Profifußball verantwortet, erzählte bei einem Treffen mit der AOK Baden-Württemberg 2016, dass sich ein Spiel heute im Kopf entscheidet, da Physis und technische Ausbildung bei vielen Bundesligaspielern vergleichbar sind. Jan Mayer sieht das ähnlich: Die Passgeschwindigkeit auf Top-Niveau ist mittlerweile dreimal schneller geworden. Das heißt, physiologisch sind sie am Leistungslimit, mental jedoch noch lange nicht.

Daddeln für den Samstag

Die heutigen Spieler sind alle mit Smartphones aufgewachsen. Sie nutzen diese bei allen Gelegenheiten: im Mannschaftsbus, in Trainingspausen, in der Freizeit. Sie teilen ihr Leben via Social Media, Daddeln ist Teil ihres Lebens. Jan Mayer nutzt das. Gemeinsam mit SAP, dem Hauptsponsor des TSG Hoffenheim, programmiert er Apps, mit denen die Spieler reale Fußballsituationen simulieren können. Oliver Baumann, Torhüter des Vereins, erzählt beispielsweise, dass ihm das Video-Training bereits in Spielsituationen gegen die Nationalspieler Mario Gomez und Julian Draxler geholfen hat, Tore zu verhindern.

Zu Beginn jeder Saison erhebt Mayer eine Art Basiswert für die mentale Verarbeitungsgeschwindigkeit und misst diesen das Jahr über bei den Spielern, um festzustellen, ob sie sich gesteigert haben. Mayer erzählt von jährlichen Fortschritten von durchschnittlich 0,2 Sekunden. Ein echter Wettbewerbsvorteil im Profigeschäft, denn oft entscheiden wenige Sekunden ein Fußballspiel.

Wer nicht Bescheid weiß, muss das Spielfeld verlassen

Der Trainer Julian Nagelsmann ist inzwischen so begeistert von dem Mentaltraining, dass er es auch auf das analoge Feldtraining übertragen hat: Dabei hat ein Fußballfeld nicht zwei, sondern vier Tore. Hat eine Trainingsmannschaft ein Tor geschossen, dreht sich einerseits das Spielfeld um 90 Grad, andererseits verändert sich die Mannschaft. So sollen flexible Spielsituationen eingeübt werden. Während des Spiels fragt der Trainer einzelne Spieler, wie es steht, in welcher Mannschaft und auf welches Tor sie gerade spielen. Wer nicht Bescheid weiß, muss das Spielfeld verlassen.

Wer jetzt immer noch glaubt, die Digitalisierung hat keinen Einfluss auf sein berufliches Umfeld, wird in kürzester Zeit zu den Ewiggestrigen gehören. Denn sogar der Fußball kann und will auf die Annehmlichkeiten der Digitalisierung nicht mehr verzichten.