Die 11 Besten

Denkwerkstatt Schmöker

"Ein Buch ist für mich eine Art Schaufel, mit der ich mich umgrabe." (Martin Walser)
Derart literarisch inspiriert, haben wir begonnen, in unseren Bücherregalen, in Verlagsverzeichnissen, in Buchhandlungen und in unserer Erinnerung nach denkwürdigen Büchern zu graben ...

Das Ergebnis ist eine Liste bunt zusammengewürfelter, überraschender, teilweise ungehobelter Werkstatt-Schmöker. Die Auswahl ist subjektiv - aber nach unserer subjektiven Einschätzung super! Und das Beste: In jedem Quartal gibt's eine neue Denkwerkstatt-Bestenliste.

Die Ökonomie von Gut und Böse
von Tomas Sedlacek, Hanser Verlag 2012

 Der Berater von Vaclav Havel und Ökonomieprofessor aus Prag denkt in seinem Buch grundsätzlich über den Stellenwert von Betriebs- und Volkswirtschaft nach. Den schwachen mathematischen Modellen dieser Wissenschaften setzt er die klassischen Mythen, angefangen von Gilgamesch und Enkidu bis Adam Smith entgegen. 

Langweilig? Ganz im Gegenteil - es ist das wichtigste Buch der Ökonomie der vergangenen Jahre. Schließlich konnten alle Starökonomen nicht die Finanzkrisen von 2000 und von 2008 voraussagen. Wie auch? Wenn man die Daten aus der Vergangenheit für eine Vorhersage nutzt, ist das wie der Versuch ein Auto zu steuern ausschließlich mit den Informationen über den Rückspiegel. Peter Drucker hielt die Sozialwissenschaften und die Philosophie für die Leitwissenschaften des Managements. Er hätte sich sicher über das Buch gefreut. 

Steve Jobs - Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers von Walter Isaacson.

Diese Biografie hat Jobs nie vollständig gelesen - aber initiiert. Merkwürdig wie man das autorisiert nennen kann. Jobs Gegner erhalten ausführlich in der Biografie eine Stimme Es ist ein wichtiges Stück Managementliteratur, das Führung in allen Facetten beschreibt als Entwicklung von einem sozialromantischen Hippie zum begnadeten Innovator und Begründer eines der erfolgreichsten, internationalen Unternehmens der Welt. Der ewige Rebell, Bauhaus und Bob Dylan-Fan hat in dem Buch sein Credo veröffentlich, dem nichts hinzuzufügen ist. 

Der Rebell: Think different von Jobs & Clow
Ein Hoch auf die Verrückten. Auf die Nonkonformisten. Die Rebellen. Die Unruhestifter. Die unangepassten. Die Querdenker. Sie halten nichts von ehernen Gesetzen. Sie sind nicht gewillt, den Status quo zu respektieren. Man kann sie zitieren, ihnen widersprechen, sie verherrlichen oder sie verteufeln. Nur ignorieren kann man sie nicht. Weil sie die Welt verändern. Sie treiben die Menschheit an. Auch wenn manche sie für verrückt halten, sehen wir Genialität. Denn die Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie würden die Welt verändern…sind diejenigen die es tun werden.)

 

Schnelles Denken, langsames Denken
von Daniel Kahnemann, gebundene Ausgabe, Siedler Verlag 2012

Kahneman ist Psychologe und Nobelpreisträger für Wirtschaft. Diese Kombination ist schon großartig und dann dieses Buch: Sehr gut lesbar, wissenschaftlich fundiert, in die eigene Praxis leicht übertragbar und selbstkritisch was die eigene Forschungsarbeiten betrifft. Die Bestseller von Robert Shiller über Verhaltensökonomie oder Gerd Gigerenzer über Bauchentscheidungen können Sie nachdem Sie dieses Buch gelesen haben vergessen. Und diese beiden sind richtige Schwergewichte in Ihrem Feld. 

Der Kulturinfarkt - von allem zu viel und überall das Gleiche
von Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel, Stephan Opitz,
Knaus-Verlag, 2012

Diese klugen Autoren schreiben ein gutes Buch über eine selbstgefällige, subventions-verwöhnte Clique von Kulturverwaltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 3Sat (ARD und ZDF; SR und ORF) sowie die betroffenen Kulturverbände übergießen das Buch bereits vor dem Erscheinen mit Häme. Da wird schon mal mit harten Bandagen nachgetreten - ohne die Fakten zu nennen: „Das Buch ist der Sarrazin der Kulturindustrie“ (3Sat, Kulturzeit am 13.3.2012). 
Die Fakten: In Deutschland werden ca. 10 Mrd. € Subventionen für staatliche und städtische Bühnen, Theater, Opern, Museen und Archive ausgegeben. Darüber hinaus erhält der öffentlich-rechtliche Rundfunk noch einmal 7,5 Mrd. €. Die Kulturinstitutionen werden von ca. 5 % der Bevölkerung genutzt. Das kann man verbessern. 
Die Autoren schlagen vor anstatt auf 140 Bühnen in Deutschland überall Mittelmäßiges zu bieten auf 70 Bühnen Klasse zu produzieren.
Das so frei gesetzte Subventionsgeld sollte in 5 Kulturfelder investiert werden:

  • In erstklassige Bühnenproduktionen (Klasse kostet - weniger Bühnen mehr Klasse)
  • In die Laienkultur, die neue Interessentenkreise für Kultur anspricht
  • In innovative Kulturunternehmer, die mit Produktionen Geld verdienen wollen
  • In Kunsthochschulen, die Kulturunternehmer ausbilden
  • In Weiterbildungsinstitute, die Kultur vermitteln

 Der Diskurs um dieses Buch lässt ein Zitat eines großen Soziologen auf unserer Homepage in neuem Gewand erscheinen: „Kultur verhindert die Überlegung, was man anstelle des Gewohnten anders machen könnte.“ Niklas Luhmann.

Träum weiter, Deutschland!: Politisch korrekt gegen die Wand
von Günter Ederer, Gebundene Ausgabe -  2011, Eichborn-Verlag

Das Buch eines sehr guten Wirtschaftsjournalisten und eines der letzten Ordoliberalen. Wer dieses Buch nicht gelesen hat, kann nichts zu Schuldenkrise, Demografie und politischem Zeitgeist in Deutschland sagen. Das Buch ist nicht nur sehr gut lesbar sondern auch voller Anekdoten und ökonomischer Fakten auf den Punkt gebracht. Man mag nicht jede Schlussfolgerung teilen, an diesen Fakten kommt keiner vorbei.

Die Macht der Familie: Wirtschaftsdynastien in der Weltgeschichte
von David Landes, Gebundene Ausgabe – 2008, Pantheon-Verlag.

Der Mittelstand ist Deutschlands wirtschaftliches Erfolgsmodell und es sind häufig Familienunternehmen. David Landes beschreibt erfolgreiche Familienunternehmen von der Gründungsphase bis in die Neuzeit. Für alle, die in Familienunternehmen arbeiten ist das ein Fundus von Geschichten darüber, wie sich diese Organisationsform entwickeln kann.

Von Alkohol bis Zucker
von Christian Mähre, 2010, Dumont-Verlag

Zwölf Substanzen, die die Welt veränderten

Wer Chemieunterricht langweilig fand, findet hier ein amüsantes Buch zu diesem Thema und kann es nicht mehr weglegen. Wir sind ein Stück Chemie und einige in diesem Buch genannte Substanzen haben uns erst richtig leistungsfähig gemacht. Wir empfehlen es jedem der an seiner persönlichen Fitness arbeitet und mehr über die Hintergründe der Ernährung wissen will.

 

 

Von Menschen und Ratten-Die berühmtesten Experimente der Psychologie 
von Lauren Slater, 2010, Beltz-Verlag


Das Wissenschaftsbuch des Jahres 2005 liest sich wie eine Krimi und weist auf die Menschen hinter den Experimenten. Das Buch ist besonders stark wo es persönliche Bezüge zu den Experimenten der Granden der Psychologie wie Stanley Milgram, David Rosenhan oder Leon Festinger herstellt. 

 

 

Employer Branding
von Florian Schumacher & Roland Geschwill, Gebundene Ausgabe, 2009, Gabler-Verlag

Mit diesem Buch haben wir den Employer Branding-Boom dieser Tage vorausgesehen. Allerdings beschreiben wir nicht den Marketing-Ansatz von EB, sondern von der mühsamen Arbeit der Personalverantwortlichen und Führungskräfte eine Arbeitgebermarke so zu gestalten, dass Mitarbeiter sagen, dieses Unternehmen kann ich jedem Dritten weiter empfehlen. 

Organisation und Intervention: Ansätze für eine sozialwissenschaftliche Fundierung von Organisationsberatung
von Stefan Kühl, Taschenbuch, 2010, Rainer-Hampp-Verlag

Ehrlich gesagt, wir sind schon Fans von Stefan Kühl, seitdem wir Anfang der 1990er Jahre sein Buch „Wenn die Affen den Zoo regieren“ gelesen haben. Das vorliegende Buch beschreibt unterschiedliche Beratungsansätze und deren Wirksamkeit. Besonders Freunde des „Systemischen Beratungsansatzes“ müssen beim Lesen ganz mutig sein. Stefan Kühl seziert diesen Ansatz als schlichtweg nicht existent und abgrenzbar. Nach dem Lesen dieses Buches müssen viele Homepages umgeschrieben werden. Auch sehr lesenswert sein Buch über „Coaching“. Stefan Kühl ist sicherlich der legitime, intellektuelle Nachfahre von Niklas Luhmann. Allerdings mit der Ausnahme, dass die „systemische“ Szene ihn für einen Nestbeschmutzer hält. In Anlehnung an Ernst Bloch bleibt hier nur zu bemerken, das Gute an der Systemtheorie ist, dass sie Ketzer hervorbringt.

In Europa
von Geert Mak, Gebundene Ausgabe, 2005, Siedler-Verlag

Noch nie haben wir 900 Seiten in dieser Geschwindigkeit gelesen. „In Europa“ ist Geschichtsbuch + Literaturgeschichte. Es müsste in der 10. Klasse Pflichtlektüre sein und könnte den Geschichts-,  Deutsch- und Europaunterricht komplett ersetzen. Wenn Sie in Europa Handel treiben, dann sollten Sie etwas über die Geschichte der letzten 100 Jahre auf diesem Kontinent wissen. Dieses Buch ist für die Ewigkeit geschrieben.