PUblikationen // Lesestoff

die besten
Denkwerkstatt
Schmöker

"Ein Buch ist für mich eine Art Schaufel, mit der ich mich umgrabe." (Martin Walser)
Derart literarisch inspiriert, haben wir begonnen, in unseren Bücherregalen, in Verlagsverzeichnissen, in Buchhandlungen und in unserer Erinnerung nach denkwürdigen Büchern zu graben ...

Das Ergebnis ist eine Liste bunt zusammengewürfelter, überraschender, teilweise ungehobelter Werkstatt-Schmöker. Die Auswahl ist subjektiv - aber nach unserer Einschätzung super! Und das Beste: In jedem Quartal gibt's eine neue Denkwerkstatt-Bestenliste.

Die Erfindung des Menschen von Renée Schröder, Residenz-Verlag, 2016

Wer etwas über Genforschung und Digitalisierung, beides die wichtigen, wissenschaftsbasierten Megatrends, erfahren möchte, sollte dieses Buch lesen. Renée Schröder hat das Wissenschaftsbuch des Jahres 2016 in der Kategorie Naturwissenschaft geschrieben; - leicht lesbar, dennoch nicht flach und besonders sinnstiftend!

Wir haben selten ein Buch gelesen, das so klar und gleichzeitig differenziert die Geschichte der Menschheit darstellt. Sie teilt die Welt als Geistesgeschichte in drei Kategorien ein:

1. Dinge, die es unabhängig von unseren Gedanken gibt. Das ist die Welt der Naturwissenschaften. Die reale Welt, das Universum.

2. Dinge, die es gibt, weil wir sie erschaffen haben. Es gäbe sie nicht, wenn wir sie nicht erdacht und erzeugt hätten.

3. Dinge, die es nur in unserem Kopf gibt. Sie verschwinden wieder, wenn der Kopf, der sie denkt, stirbt und die Gedanken nicht niedergeschrieben und verbreitet wurden.

Die Beschreibung des Forschungsstandes von 1 & 2 ist brilliant und absolut auf der Höhe der Zeit. Bei 3 benennt sie alle großen Mythen der Menschheitsgeschichte und besonders die großen Erzählungen der Religionen. Wenn Sie spekuliert, dass es keinen Gott geben kann und dass die Welt zum Überleben Feminismus braucht, dann ist das amüsant zu lesen und pointiert. So ist sie überzeugt, dass Evolution keinen Plan hat, sondern, dass die Menschheit es selbst in der Hand hat, ob und wie sie überleben wird. Was sie nicht stellt, ist die Frage, ob es ohne Plan nicht dennoch einen Gott geben kann. Pierre Teilhard de Chardin, Meister Eckart und besonders der Philosoph Friedrich Schlegel haben das alles bereits erdacht. Naturwissenschaftler haben häufig einen Hang zum Dogmatismus oder anders gewendet, es fehlt etwas Demut vor dem wissenschaftlichen Gegenstand, über den Mann schreibt. Diesen Teil im Buch kann man getrost überlesen.

Für die Digitalisierung hat das Buch eine wichtige begriffliche Überraschung parat: Renée Schröder fordert eine zweite Aufklärung und zitiert Emanuel Kant: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Digitales und naturwissenschaftliches Wissen vermehrt sich exponentiell. Menschen des 21. Jahrhunderts müssen da mitkommen und das bedeutet Lernen, Lernen, Lernen. Was zu Lernen ist, dafür gibt die Autorin wichtige Impulse.



Die Physik der Zukunft: Unser Leben in 100 Jahren
von Michio Kaku, rororo, 2012.

Es gibt Bücher, da ärgert man sich, dass man sie nicht schon früher entdeckt hat. Das Buch des bekannten US-Physikers ist so eines. Und man kann das Buch auch noch fünf Jahre nach dem Erscheinen der Originalausgabe lesen.

Wie sich Informatik, künstliche Intelligenz, Medizin, Nanotechnologie, Energie, Raumfahrt und Wohlstand in den kommenden Jahren, in den kommenden 30 Jahren und bis 2100, entwickeln werden, wird hier wunderbar beschrieben.

Gerade wenn man sich die politischen Veränderungen des Jahres 2016 mit all ihren rückwärtsgewandten Ergebnissen betrachtet, bemerkt der Leser schnell, dass das Leben im 21. Jahrhundert eine völlig andere Richtung nehmen wird, als das populäre Politiker heute denken. Auf Physiker sollte man hören.

Fazit: Spannend und gut lesbar!


Das Silicon Valley Mindset von Mario Herger, Plassen, 2016.

Ein österreichischer Intellektueller geht in das Silicon Valley, lebt und arbeitet dort und schreibt nach zehn Jahren ein Buch darüber. Ziel: Europäische Firmen zu beraten, wie sie eine Gründerkultur in ihr Unternehmen bringen können.

Er beschreibt in einer sehr frischen Sprache, dass ca. 40 Prozent der etwa 30.000 Start-ups in Kalifornien von Immigranten gegründet werden. Viele dieser Gründer galten in ihren Herkunftsländern als Streber, Besserwisser, Nerds, uncoole Außenseiter und wurden entsprechend ausgegrenzt.

Im Silicon Valley angekommen, treffen sie auf Menschen mit ähnlichen Biografien und oft auch das erste Mal auf Verständnis. Sheldon, Leonard, Amy Farrah und Howard beispielsweise fühlen sich das erste Mal wohl. Big Bang Theory als Massenphänomen. Sie treffen Gleichgesinnte und machen sich an die Arbeit, um die Welt zu verbessern.

Fazit: Interessanter Einblick in die Arbeitskultur des Silicon Valleys.


Digitale Transformation im Unternehmen gestalten: Geschäftsmodelle, Erfolgsfaktoren, Handlungsanweisungen, Fallstudien von Oliver Gassmann und Philipp Sutter, Hanser, 2016.

Das Buch wurde von Professoren der Universität St. Gallen geschrieben.

Klasse ist die Reflexion, dass der Wissenschaftsbetrieb bisher analog arbeitet. Alle Anreizsysteme in den Universitäten würden gegen die digitale Exzellenz laufen. In der Mitte des Buches wird ein Konzept vorgestellt, das dafür plädiert, interdisziplinär als Crowd Science Forschungsergebnisse zu teilen. Das haben wir so noch nicht gelesen.

Sonst bleibt das Buch leider in Überschriften und einer sehr vagen Sprache unkonkret. Das trifft leider auch auf die 20 Fallbeispiele aus Unternehmen zu.

Fazit: Wer Interesse hat, auf diesem Niveau einen Überblick über das Thema Digitalisierung zu bekommen, kann zum Buch greifen. Für alle, die die Digitalisierung im Unternehmen umsetzen müssen und wollen, ist es wenig geeignet.


Digitale Führung: Wie die neuen Technologien unsere Zusammenarbeit wertvoller machen von Martin A. Ciesielski und Thomas Schutz, Springer Gabler, 2016.

Digitale Führung – ein weiteres, neues Produkt auf dem Buchmarkt. Zehn Bücher sind hierzu 2015/2016 erschienen. Dieses Buch haben wir uns näher angeschaut und sind immer noch etwas ratlos, wie wir es fair bewerten sollen.

Gut gemeint könnte man schreiben, dass soziale Medien, Internet, Softwarewechsel und Führen auf Distanz Manager heute vor neue, komplexe Herausforderungen stellen. Ja!

Roland Geschwill hat 2016 eine exzellente MBA-Arbeit beim MBA HRM in Ludwigshafen zum Thema Führen auf Distanz betreut. In der Studie wurden am Beispiel des Pharma-Vertriebs der Firma Roche in Mannheim theoretische Konzepte empirisch aus der Sicht von Führungskräften bewertet.

Über Führung wird viel geschrieben, jedoch leider wenig empirisch geforscht. Ein Ergebnis der Arbeit war, dass digitale Kommunikation auch beim Führen auf Distanz von Nichtführungskräften überbewertet wird. Vertrauen, gute und regelmäßige Kommunikation sowie verlässliche Freiräume für Menschen sind auch hier die Grundpfeiler einer erfolgreichen Führung.

Unser Fazit: Es gibt kein digitales Führen in der Managementpraxis.


Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen von Manfred Spitzer, Droemer, 2012.

Digitale Paranoia: Online bleiben, ohne den Verstand zu verlieren von Jan Kalbitzer, C.H.Beck, 2016.

Zwei Psychiater, zwei Bücher – jedoch völlig unterschiedliche Ergebnisse. Jan Kalbitzer, 39 Jahre, leitet die psychiatrische Abteilung der Charité in Berlin. Manfred Spitzer, 59 Jahre, ist Erfolgsautor.

Bücher schreiben funktioniert heute immer noch am besten, wenn man Thesen zuspitzt – und das tut Spitzer. Er meint, dass der zu frühe Umgang mit IT bei Kindern zu Suchtverhalten führt. Kalbitzer belegt das Gegenteil bzw. er erklärt, es gäbe in der Psychodiagnostik überhaupt keine Suchtdiagnose für IT.

Zugespitzt wurde das „Fernduell“ durch das völlig aus der Rolle fallenden Manfred Spitzers im Oktober 2016 in der Sendung „Anne Will“ (hier eine Zusammenfassung der Sendung). Sascha Lobo, Blogger und Buchautor, provozierte den Psychiater, der das nicht verkraftete. Andere Meinungen scheinen dem ehemaligen Ulmer Professor emotional herauszufordern.

Der Focus beschreibt es so: „Moderatorin Anne Will hat Mühe, den aufgebrachten Wissenschaftler Spitzer zu bändigen. Dieser verliert völlig die Fassung. Er spricht von 'armen Kindern' und davon, dass Jugendliche erst ab 14 oder 16 Jahren an die digitalen Medien herangeführt werden dürften. Programmieren frühestens ab der achten Klasse. Er sieht schon jetzt viele „seelenlose, willenlose Menschen“, versaut durch Smartphone und Tablet. Sascha Lobo und und der FDP-Vorsitzende Lindner versuchen, zu widersprechen. Vergeblich. 'Sie haben keine Ahnung!', redet sich der Psychiater weiter in Fahrt. Anne Will versucht es: 'Herr Spitzer? Herr Spitzer! Können Sie mich hören?“

Jan Kalbitzer hat Recht, wenn er Spitzer Unredlichkeit vorwirft. Er kann in solchen Sendungen keine psychiatrischen Diagnosen über eine ganze Generation treffen. Und nicht nur da fehlt ihm die Distanz. Seriösen Kollegen erweist er damit einen Bärendienst.

Auch ist das Buch inhaltlich sehr schwach und in weiten Teilen widerlegt. In den Niederlanden gibt es seit Jahren mehrere Steve-Jobs-Grundschulen, die bereits in der ersten Klasse sehr erfolgreich mit iPads lehren. Störungen bei den Kindern? Fehlanzeige! Die Lernerfolge sind besser als die im klassischen Grundschulunterricht.

Die Tatsache, dass die Google-Gründer ihre Kinder bis zum 14. Lebensjahr von der IT fernhalten, hat eher etwas damit zu tun, dass sie Fans von den Montessori-Schulen sind – und dementsprechend auf kreatives Lernen und nicht auf Faktenlernen setzen.

Es freut uns, dass Herr Kalbitzer Herrn Spitzer zuruft: „Lernentwicklung geht weiter“.



7 : 1 -  Das Jahrhundertspiel von Christian Eichler, Droemer 2015

Der 8. Juli 2014 hat sich in das kollektive Gedächtnis aller Fußball Fans eingeprägt. Viele staunten über die 4 Minuten als die drei Tore zum 2:0, 3:0 und 4:0 fielen. Christian Eichler hat in einem beeindruckenden, sehr leicht lesbaren Buch die Spielszenen und die Hintergründe von Sieg und Niederlage beschrieben. Da standen nicht nur 14  deutsche Spieler auf dem Platz. Bis zum Gewinn des 4. Sterns wurde sehr erfolgreich im Management gearbeitet. Fabelhaft analysiert - das Beste was wir je über Fußball gelesen haben.      


Antifragilität – Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen von Nassim Nicholas Taleb, btb, 2013

Genial, unlesbar, umstritten und sehr empfehlenswert. Sollten Sie Anregungen suchen, Ihr Risikomanagement fundamental zu überdenken, dann lassen Sie sich von diesem Buch inspirieren. Eine ausführliche Kritik der Denkwerkstatt zu diesem Buch finden Sie hier



Reinventing Organizations: Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit von Frederic Laloux, Vahlen, 2015

Wie schafft man selbstverantwortliche Strukturen in Unternehmen? Der Ex Mc Kinsey Berater schildert hier Unternehmen, die mit wenig Kontrolle und kaum Management erfolgreich sind. Das funktioniert, wenn Unternehmen mit solchen Ideen gegründet werden. Eine kleine Vorsicht möchten wir anregen: Der Autor ist Anhänger der Integralen Spiritualität von Ken Wilber. Die Idee von selbstverantwortlichen Strukturen und Spiritualität zu verquicken kann man machen. Nur sollte man wissen, auf welche Party man dann geht!


Joseph A. Schumpeter, Eine Biographie
von Thomas K. Mc Craw, Murmann, 2008

Wichtige Berater der Bundesregierung wie Jeremy Rifkin entwerfen Konzepte, wie die dritte industrielle Revolution. Alle industriellen  Revolutionen wurden von einem Wirtschaftssystem begleitet, das wir Kapitalismus nennen. Wie funktioniert dieses System und wie schafft es Wohlstand. Joseph Schumpeter hat die Funktionsweise des Kapitalismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersucht. Seine Studien und Schlussfolgerungen sind bis heute unerreicht. Wenn Sie über die Ökonomie des 21. Jahrhunderts mitreden wollen, sollten Sie die leicht lesbare und dennoch tiefgründige Biographie von Mc Craw kennen.       

Gewalt von Steven Pinker, Fischer, 2013

Ein gewaltiges Buch über den Rückgang der Gewalt in den letzten 50 – 70 Jahren weltweit. Dieses Buch ist eine Kontradiktion gegen alle Untergangsphantasien und jedweden Kulturpessimismus. Das Buch zu lesen schlägt Marathonläufe, den Besuch eines Fitness Centers, ausgedehnte Barbesuche und Zen. Es ist intellektuelles Endorphin pur. Gleichzeitig verarbeitet Steven Pinker aktuelles, psychologisches Wissen. Es sind die besten 1000 Seiten zum Thema Kultur, die wir in den vergangenen 10 Jahren gelesen haben.      

Psychopathen: Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann von Kevin Dutton, dtv, 2013

Nun haben wir den ersten SPIEGEL-Bestseller in unserer Kreativecke. Eigentlich haben es ja alle schon immer gewusst: Management hat etwas gemeinsam mit Psychopatischem - mit Verlaub -  ohne die emotionalen Gewaltausbrüche. Dem Psychologieprofessor ist ein fast leicht lesbares Buch über den Forschungsstand in dieser Grauzone der Wissenschaft gelungen. Er beschreibt zunächst die Forschungslage. Dabei wird auch auf verschiedene Testverfahren wie auf die Big Five rekurriert. Am Ende wird dann verglichen: Hier die Manager, da die Psychopathen. Besonders lustig sind einige Buchrezensionen bei Amazon ausgefallen. Da glauben manche wirklich, dass man Grauzonen wissenschaftlich exakt beschreiben kann. Es ist ein Lesespaß und wenn es gut läuft, veranlasst es den Leser,  an manchen Stellen selbst über das eigene Verhalten nachzudenken.     

Das anständige Unternehmen von Reinhard K. Sprenger, DVA, 2015

An der Freiheit des anderen kommt keiner vorbei von Reinhard K. Sprenger, Campus, 2013

Das anständige Unternehmen ist die verpasste Chance, nach FIFA- und VW-Skandalen, ein gutes Buch zu dem Thema zu schreiben. Von AN DER FREIHEIT DES ANDEREN sind wir immer noch begeistert. Dieses Buch ist ein Meilenstein in der Führungsliteratur. Im anständigen Unternehmen wird beschrieben, was alles so falsch laufen kann, wenn man unanständig berät. Reinhard Sprenger hat – so viel wir wissen - u.a. die DEUTSCHE BANK beraten. Da wäre doch mal
spannend in einem seiner Bücher zu erfahren, was er in solchen
Firmen mit seinen Ideen so alles anständig bewirkt hat.





Selbstorganisation braucht Führung: Die einfachen Geheimnisse agilen Managements von Boris Gloger & Dieter Rösner, Hanser, 2014

Management Y: Agile, Scrum, Design Thinking & Co.: So gelingt der Wandel zur attraktiven und zukunftsfähigen Organisation von Ulf Brandes & andere,Campus, 2014

Bücher zu neomanischer Managementliteratur sind in Mode. Management Y wurde sogar in der Zeitschrift ORGANISATIONSENTWICKLUNG unkritisch besprochen als das Buch zu dem Thema des Jahres. Wir haben für eigene Recherchen das Beispiel mit dem Elch von Durk Jager bei Procter & Gamble nachrecherchiert. Das Beispiel stammt aus dem letzten Jahrhundert und von dem am kürzesten arbeitenden CEO in der Geschichte
des 
Unternehmens (knapp zwei Jahre). Wenn Sie schon ein Buch zudem Thema AGILE lesen möchten, dann empfehlen wir das Buch der CONTRAIN Kollegen.


Steve Jobs - Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers von Walter Isaacson, btb, 2012

Diese Biografie hat Jobs nie vollständig gelesen - aber initiiert. Merkwürdig wie man das autorisiert nennen kann. Jobs Gegner erhalten ausführlich in der Biografie eine Stimme. Es ist ein wichtiges Stück Managementliteratur, das Führung in allen Facetten beschreibt als Entwicklung von einem sozialromantischen Hippie zum begnadeten Innovator und Begründer eines der erfolgreichsten, internationalen Unternehmens der Welt. Der ewige Rebell, Bauhaus und Bob Dylan-Fan hat in dem Buch sein Credo veröffentlich, dem nichts hinzuzufügen ist. Der Rebell: Think different von Jobs & Clow. Ein Hoch auf die Verrückten. Auf die Nonkonformisten. Die Rebellen. Die Unruhestifter. Die Unangepassten. Die Querdenker. Sie halten nichts von ehernen Gesetzen. Sie sind nicht gewillt, den Status quo zu respektieren. Man kann sie zitieren, ihnen widersprechen, sie verherrlichen oder sie verteufeln. Nur ignorieren kann man sie nicht. Weil sie die Welt verändern. Sie treiben die Menschheit an. Auch wenn manche sie für verrückt halten, sehen wir Genialität. Denn die Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie würden die Welt verändern…sind diejenigen die es tun werden.) 

Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahnemann, Siedler Verlag, 2012

Kahneman ist Psychologe und Nobelpreisträger für Wirtschaft. Diese Kombination ist schon großartig und dann dieses Buch: Sehr gut lesbar, wissenschaftlich fundiert, in die eigene Praxis leicht übertragbar und selbstkritisch was die eigenen Forschungsarbeiten betrifft. Die Bestseller von Robert Shiller über Verhaltensökonomie oder Gerd Gigerenzer über Bauchentscheidungen können Sie nachdem Sie dieses Buch gelesen haben vergessen. Und diese beiden sind richtige Schwergewichte in Ihrem Feld.     

Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet: Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik von Thomas Bauer, Gerd Gigerenzer, Walter Krämer, Campus, 2014

Wem gehört Deutschland? von Jens Berger, Westend, 2014

Wussten Sie schon, dass Frauen kaum weniger in Deutschland verdienen als Männer? In dem Buch von Gigerenzer u. Kollegen kann man das Nachlesen. Es ist eine Handlungsanleitung generell mit Statistiken vorsichtig zu operieren. Es wird nirgends so viel ideologisch getrickst wie mit Statistiken und Zahlen. Das Buch von Jens Berger, TAZ, ist dafür ein entsprechend anderes Beispiel. Zahlen werden dazu genutzt um ein schickes, angeblich linkes Weltbild zu etablieren. Komisch ist, dass der SPIEGEL beide Bücher empfohlen hat. Wir
empfehlen nur eines!




Die Macht der Familie: Wirtschaftsdynastien in der Weltgeschichte von
David Landes, Pantheon-Verlag, 2008

Der Mittelstand ist Deutschlands wirtschaftliches Erfolgsmodell und es sind häufig Familienunternehmen. David Landes beschreibt erfolgreiche Familienunternehmen von der Gründungsphase bis in die Neuzeit. Für alle, die in Familienunternehmen arbeiten, ist das ein Fundus von Geschichten darüber, wie sich diese Organisationsform entwickeln kann.  


Von Alkohol bis Zucker von Christian Mähre, Dumont-Verlag, 2010

Zwölf Substanzen, die die Welt veränderten.
Wer Chemieunterricht langweilig fand, findet hier ein amüsantes Buch zu diesem Thema und kann es nicht mehr weglegen. Wir sind ein Stück Chemie und einige in diesem Buch genannte Substanzen haben uns erst richtig leistungsfähig gemacht. Wir empfehlen es jedem, der an seiner persönlichen Fitness arbeitet und mehr über die Hintergründe der Ernährung wissen will.

Von Menschen und Ratten-Die berühmtesten Experimente der Psychologie von Lauren Slater, Beltz-Verlag, 2010

Das Wissenschaftsbuch des Jahres 2005 liest sich wie ein Krimi und weist auf die Menschen hinter den Experimenten. Das Buch ist besonders stark, wo es persönliche Bezüge zu den Experimenten der Granden der Psychologie wie Stanley Milgram, David Rosenhan oder Leon Festinger herstellt.



Employer Branding von Florian Schumacher & Roland Geschwill, Gebundene Ausgabe, Gabler-Verlag, 2009

Mit diesem Buch haben wir den Employer Branding-Boom dieser Tage vorausgesehen. Allerdings beschreiben wir nicht den Marketing-Ansatz von EB, sondern von der mühsamen Arbeit der Personalverantwortlichen und Führungskräfte, eine Arbeitgebermarke so zu gestalten, dass Mitarbeiter sagen, dieses Unternehmen kann ich jedem Dritten weiterempfehlen. 

Organisation und Intervention: Ansätze für eine sozialwissenschaftliche Fundierung von Organisationsberatung von Stefan Kühl, Rainer-Hampp-Verlag, 2010

Ehrlich gesagt, wir sind schon Fans von Stefan Kühl, seitdem wir Anfang der 1990er Jahre sein Buch „Wenn die Affen den Zoo regieren“ gelesen haben. Das vorliegende Buch beschreibt unterschiedliche Beratungsansätze und deren Wirksamkeit. Besonders Freunde des „Systemischen Beratungsansatzes“ müssen beim Lesen ganz mutig sein. Stefan Kühl seziert diesen Ansatz als schlichtweg nicht existent und abgrenzbar. Nach dem Lesen dieses Buches müssen viele Homepages umgeschrieben werden. Auch sehr lesenswert sein Buch über „Coaching“. Stefan Kühl ist sicherlich der legitime, intellektuelle Nachfahre von Niklas Luhmann. Allerdings mit der Ausnahme, dass die „systemische“ Szene ihn für einen Nestbeschmutzer hält. In Anlehnung an Ernst Bloch bleibt hier nur zu bemerken, das Gute an der Systemtheorie ist, dass sie Ketzer hervorbringt.     

In Europa von Geert Mak, Gebundene Ausgabe, Siedler-Verlag, 2005

Noch nie haben wir 900 Seiten in dieser Geschwindigkeit gelesen. „In Europa“ ist Geschichtsbuch + Literaturgeschichte. Es müsste in der 10. Klasse Pflichtlektüre sein und könnte den Geschichts-,  Deutsch- und Europaunterricht komplett ersetzen. Wenn Sie in Europa Handel treiben, dann sollten Sie etwas über die Geschichte der letzten 100 Jahre auf diesem Kontinent wissen. Dieses Buch ist für die Ewigkeit geschrieben.

Verlockungen zur Unfreiheit von Karen Horn (HRSG), Verlag Neue Züricher Zeitung, 2015

Karen Horn hat 2015 die Geschäftsführung der von Hayek-Stiftung niedergelegt. Der Verband taumelt nach rechts. Zum Ende konnte sie jedoch noch diesen Band herausgeben. Es ist der Ergänzungsband zu DIE IDEE DER FREIHEIT von 2008. Es werden 99 Werke, jeweils auf 5 Seiten beschrieben, unter dem Aspekt der Freiheit diskutiert. Das geht von Francis Bacon bis zu Jürgen Habermas. Das Buch ist wieder gut lesbar und inspirierend.

Einsteins Jahrhundertwerk von Thomas Bürke, dtv, 2015

100 Jahre ist die allgemeine Relativitätstheorie alt und was hat sie bewirkt? Ohne sie gäbe es kein GPS, und vieles mehr würde uns heute fehlen. Thomas Bürke hat ein schönes Update zu Einsteins Arbeit geschrieben, das man auch als Nichtphysiker gut lesen kann.



Keith Jarrett von Wolfgang Sandner, rowolth, 2015

Roand Geschwill`s Affinität zum Jazz und besonders zu dem Enjoy Jazz Festival in Mannheim-Heidelberg-Ludwigshafen ist bekannt. Wolfgang Sandner hat nach der Biografie zu Miles Davis die nächste Meisterbiografie geschrieben. Wer Keith Jarrett mag, sollte die Biografie lesen!



In die Sonne schauen, wie man die Angst vor dem Tod überwindet von Irvin Yalom, btb, 2008

Das Buch wurde uns von Friedemann Schulz von Thun 2015 auf einer Weiterbildung zu LEBENSTHEMEN empfohlen. Irvin Yalom ist Psychoanalytiker und hat für sich das Thema Sterblichkeit von EPIKUR zum therapeutischen Schwerpunkt gemacht. Wenn Sie sich mit dem Thema Resilienz etwas tiefer auseinandersetzen möchten, ist dieses Buch ein geeigneter Einstieg. Frido hat wieder ein sehr gut lesbares Buch empfohlen, das wieder sehr nützlich ist und gegen den lauten Mainstream läuft.