Leistungen // Laterales Management

wie schafft die digitalisierung arbeitsplätze?

Die Debatte um die Digitalisierung in Deutschland kennt nur Optimisten und Pessimisten. Die pessimistische Seite wird im Wesentlichen von Angst geprägt. Schließlich sollen in den kommenden zehn Jahren mindestens 50 Prozent aller heutigen Arbeitsplätze in Frage gestellt werden. Die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust entscheidet, wie wir seit 2016 wissen, selbst in Ländern mit sehr guter Beschäftigung Wahlen. Ebenfalls zur Angstkultur gehören alle Fragen um die Datensicherheit. Schließlich ist die eigentliche digitale Währung, die Internetadresse und das Twitter- und Facebook-Konto des Einzelnen.

Die Optimisten setzen nicht auf Emotionen, sondern auf Fakten: Jede kapitalistische Revolution (Dampfmaschine, elektrischer Strom) hat schließlich zu einer enormen Wohlstandsverbesserung geführt. Seit 200 Jahren hat sich der Wohlstand inflationsbereinigt für die westlichen Gesellschaften vervielfacht oder – etwas profaner ausgedrückt – in Deutschland leben fast alle Menschen was Gesundheit, Ernährung und Qualifikation betrifft besser als die Fürsten im 18.Jahrhundert.

Die Post baut bei Frankfurt ihr größtes Paketzentrum

Historische Vergleiche hätten jedoch in einem postfaktischen Zeitalter wenig Chancen, wahrgenommen zu werden. Emotionen haben es da einfacher. Da freut es den aufgeklärten Politiker, wenn er konkrete Beispiele für die positiven Effekte der Digitalisierung findet. 2016 bestellte jeder Bundesbürger für circa 1.300 Euro Waren über das Internet. Das ist ein Volumen von über 10 Milliarden Euro jährlich. Alles, was hier über Zalando, Amazon und Co. bestellt wird, muss mit der Post versendet werden. Gleiches gilt für die zehn bis 20 Prozent der Retouren.

Für die deutsche Post war das der Grund dafür, 2016 im südhessischen Obertshausen ein neues, gigantisches Paketzentrum zu eröffnen: fünf Fußballfelder groß bzw. rund 37.000 Quadratmeter. Wurden noch 2007 etwa 700 Millionen Pakete verteilt, waren es 2016 bereits 1,1 Milliarden – Tendenz steigend. Das Paketgeschäft der Post wächst kontinuierlich: jährlich um acht Prozent.

Jeder kann entscheiden

Volker Bouffier, Ministerpräsident von Hessen, ließ es sich daher nicht nehmen, das Paketzentrum einzuweihen und darauf hinzuweisen, dass die Logistikbranche eine Wachstumsbranche sei, die ähnlich stark wächst, wie das Paketaufkommen.

Die Pessimisten werden darauf hinweisen, dass diese Branche eine Niedriglohnbranche sei, und dass der Internethandel zu Lasten der Innenstädte gehe. Die Optimisten werden neu geschaffene Arbeitsplätze feiern und sich über das bequeme und transparente Einkaufen freuen. Der Zukunftsforscher Wacker fasst das so zusammen: Ich weiß, wenn ich diese beiden Gruppen von Menschen betrachte nur, dass Optimisten ein gutes und Pessimisten ein schlechtes Leben haben. Jeder kann entscheiden.