Leistungen // Laterales Management

was hab ich?

Das Dresdner Unternehmen „Was hab ich?“ übersetzt seit fünf Jahren täglich 30 Arztbriefe für Patienten. Finanziert wird das Unternehmen durch die AOK, die Bertelsmann Stiftung und den Staat.

Das Jahresbudget liegt bei 350.000 Euro. Patienten mailen ihre Diagnosen und Freiwillige (Medizinstudenten oder emeritierte Ärzte) übersetzen diese in eine verständliche Sprache. Das klingt alles etwas aus der Zeit gefallen. Klar, Arztdiagnosen waren ursprünglich dazu gedacht, dass zwischen Ärzten ein Austausch stattfinden kann. Das sprichwörtliche Medizinerdeutsch wurde als eine Art Geheimsprache an Universitäten gelehrt. Die Schriftform war von lesbar bis hingekritzelt. Dass Patienten jedoch wissen sollten, an was sie erkrankt sind, dürfte seit der Idee des mündigen Patienten vor ca. 50 Jahren, nicht besonders revolutionär sein.

Dennoch scheint es hierfür einen Markt zu geben. 30 Diagnoseanfragen auf der Homepage werden täglich angenommen. Die Plattform öffnet morgens um 7.00 Uhr – wer zu spät kommt, kann sich am kommenden Tag um eine Übersetzung seines Arztschreibens bewerben.

„Was hab ich?“ hat mit den Paracelsus-Kliniken einen Partner gefunden, der Patientenbriefe standardisieren will

Der Patientenbrief ist das Entlassungsdokument eines Arztes für den Patienten, wenn er die Klinik verlässt. Diesen Brief gibt es schon hundert Jahre. Nun soll es dafür eine Vorlage geben und er soll dann so verständlich geschrieben werden, dass auch Patienten ihn verstehen.

Bisher wehren sich Kliniken allerdings noch dagegen, weil das zu teuer wäre. Hallo? 19 Millionen Patientenbriefe werden pro Jahr geschrieben. Wenn die standardisiert werden, dann ist das billiger als wenn jeder Arzt sich an seinem Brief verkünstelt.

Für Was hab ich? wäre das großartig, wenn sich alle Kliniken dazu bereit erklären würden, einen digital standardisierten Patientenbrief zu schreiben. Das Unternehmen könnte dann mit seinen Erfahrungen mit der Übersetzung des Medizinerdeutschs endlich Geld verdienen und wäre aus der öffentlichen Alimentierung raus.

Dass diese Übersetzung notwendig ist, ist allerdings ein Skandal. Ärzte könnten im 21. Jahrhundert ihre Diagnosen auch in einem verständlichen Deutsch schreiben. Standessprache ist kulturell ziemlich gestrig.