Leistungen // Laterales Management

was bitte
ist ats?

2015 wurden wir durch einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ziemlich aufgeschreckt: Ein Unternehmen aus Aachen mit dem Namen „Psyware“ gab an, mittels Spracherkennung Lügen identifizieren zu können. Angeblich habe die „Deutsche Angestellten Krankenkasse“ (DAK) die Software genutzt, um falsche Angaben von Langzeitkranken am Telefon zu identifizieren. Inzwischen hört man weniger von „Psyware“, was nicht heißen muss, dass das Unternehmen nicht sehr erfolgreich seine Produkte B2B verkauft. Inzwischen ist ein neues Psychoprogramm allerdings in aller Munde: Applicant tracking Systems (ATS).

ATS wird in der Personalauswahl eingesetzt. Bewerbungsunterlagen werden heute in der Regel digital eingereicht. Ein Computerprogramm, eben ATS, macht quasi eine Vorauswahl – und das diskriminierungsfrei. Während klassische HR-Mitarbeiter häufig unbewusst diskriminieren (z.B. angepasste, sympathische Bewerber bevorzugen), geht ein Computer rational vor.

Psychologisch heißt das Phänomen unbewusste Voreingenommenheit – und das soll mit ATS umschifft werden. Aus vielen Studien geht hervor, dass Teams in internationalen Organisationen, die migriert sind, häufig effizienter arbeiten als Teams, die aus einem Land kommen. Diversität dürfte ehedem ein Erfolgsfaktor einer jeden Teamarbeit sein. Homogene Teams fehlt häufig die Auseinandersetzung mit Neuem, was zu Bequemlichkeit und Faulheit und letztendlich zu Misserfolg führt.

SAP hat ATS erfolgreich entwickelt

Viele Unternehmen nutzen die HR Software von SAP. Das sind 5.000 Kunden und 42 Millionen Nutzer. SAP will mit Ihrem ATS, das auf SAP HR läuft, die Auswahlprozesse revolutionieren. Eigentlich eine Superidee. Leider wurde das ohne die Personalfachleute in den Unternehmen gemacht.

Nach einer Studie des Bewerberportals Indeed wollen 83 Prozent der HRler die Fotos der Bewerber sehen, um sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild zu machen. Fotos sind das Einfallstor für die unbewusste Voreingenommenheit. Diese Untersuchung ist, sofern sie valide ist, eigentlich ein Skandal. Seit 2006 gibt es in Deutschland das sogenannte Gleichbehandlungsgesetz, das Diskriminierung u.a. bei Bewerbungen eindämmen sollte. Der zuständige Vorstand der SAP Stefan Ries glaubt daher auch nicht mit erheblichen Widerständen durch die Personalverantwortlichen. Klar, was soll er auch anderes sagen, schließlich will er auch nicht seine Kunden verprellen.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich ATS bei Unternehmen zumindest in der Vorauswahl der Kandidaten durchsetzt. Die Software sucht nach speziellen Wörtern, die als Kriterien für die ausgeschriebene Stelle hinterlegt sind und macht dann neutral Vorschläge. Entscheidend für die Einstellung sind dann häufig immer noch die persönlichen Gespräche oder Assessments mit den Bewerbern. Hoffentlich wird dabei mit Diversität professionell umgegangen. Das wäre dem Unternehmen zu wünschen.