Leistungen // Laterales Management

was beeindruckt und überzeugt investoren?

Im August 2016 schockiert das Start-up-Barometer von Ernst & Young die Berliner Start-up-Szene: Berlin ist nicht mehr die Gründerhauptstadt. London, Paris und sogar Stockholm akquirieren mehr Investorengeld als die Bundeshauptstadt. Vor einem Jahr noch 1,5 Milliarden und jetzt nur noch 500 Millionen Euro. Vor einem Jahr war man mit einer Milliarde Euro noch klar vor London. Was ist geschehen?

Statistiken gilt es ja immer sehr genau zu betrachten. Zum einen geben die Autoren der Studie zu, dass vor einem Jahr sogenannte Einmaleffekte von Rocket Internet Berlin an die Top-Position gebracht hat. Zu Rocket Internet gehören Start-ups wie beispielsweise Zalando, die inzwischen börsennotiert sind. Zalando ist in Berlin der zweitgrößte Arbeitgeber mit ca. 20.000 Arbeitsplätzen sowie Risikokapitalgeber. Wenn Zalando investiert, dann richtig. Und dann steht Berlin auch schnell wieder ganz oben.

Unicorns erschweren die Vergleichbarkeit von Standorten

Weiter gibt es ein einziges Kriterium für die Größe eines Standortes: Wie viel Risikokapital konnte lokal akquiriert werden? Liebe Freunde von EY das ist etwas dürftig. Daher haben wir uns generell die Frage gestellt, wofür gibt es all die deutschen und europäischen Start-up-Monitor und -Ranglisten auf Gründerszene. Der Grund ist recht einfach. Risikokapitalgeber bewerten Start-ups nach solchen Indizes. Ist eine Stadt nicht unter den ersten 15 europäischen Städten gelistet, wird sie häufig bei Finanzierungsrunden nicht beachtet. Betrachtet man Europa insgesamt, dann sind die Gesamtinvestitionen in Start-ups 2015 laut EY von sieben Milliarden auf 6,4 Milliarden Euro zurückgegangen. Dafür haben sich die Finanzierungsrunden um 40 Prozent auf 1.113 erhöht.

Das bedeutet genau das Gegenteil der veröffentlichten Studie: Mehr Finanzierungsrunden bedeuten mehr Aufmerksamkeit von Investoren. Unicorns (Start-ups mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde US-Dollar) wie Spotify in Schweden oder Rocket Internet mit ihrem großen Kapitalbedarf erschweren die Vergleichbarkeit von Standorten. In einem Jahr kann Spotify – wie 2015 geschehen – mit dem Einsammeln von viel Risikokapital Stockholm an die Spitze bringen – und ein Jahr später wieder auf die hinteren Plätze purzeln lassen.

Investoren lassen sich nicht von CAGR beeindrucken

Der Deutsche Startup Monitor (DSM) und der European Startup Monitor gehen differenzierter vor. Die DSM-Autoren beispielsweise befragen jedes Jahr ca. 1.000 Start-ups und haben mehrere Kriterien angelegt. Der Monitor berücksichtigt auch Kriterien wie das Alter der Gründer, Gender und die Zusammenarbeit.

Gründerszene bewertet einzelne Unternehmen in ihrer Umsatzentwicklung: „CAGR, die Compound and Annual Growth Rate, stellt das durchschnittliche jährliche Wachstum einer zu betrachtenden Größe dar, in diesem Fall die Umsatzerlöse. Zur Berechnung wird der Wert des letzten Jahres durch den Ausgangswert geteilt. Von dem Ergebnis wird die n-te Wurzel abgezogen. Die durchschnittlichen Wachstumsrate der Umsatzerlöse von 2012 bis 2014 wird nach folgender Formel berechnet = (Umsatz 2014/Umsatz 2012)(1/2)“. Ermittelt wird dieser Wert ebenfalls durch Ernst & Young.

Wir glauben nicht, dass professionelle Investoren sich bei der Entscheidung für eine Risikoinvestition von diesem einen Wert ernsthaft beeindrucken lassen.