Leistungen // Laterales Management

versicherer – digitale transformation bisher fehlanzeige

Es war schon bezeichnend. Erste versuchten das, was es in der Autoindustrie bereits seit wenigen Jahren gibt: Ohne Krawatte zur DMK, der großen Messe der Versicherungsmakler, Ende Oktober 2016 in Dortmund zu erscheinen. Nur wenige wie Ralf Berndt, Vorstand bei der Allianz-Tochter Stuttgarter Versicherungen, trauten sich. Aber es tut sich was – auch in der Versicherungsbranche. Nachzulesen in unserem Buch „Laterales Management“. Dort nämlich beschreiben wir die Kulturveränderungsideen von Oliver Bäte von der Allianz AG.

Warum nur tut sich diese Branche so schwer mit Veränderungen? In den vergangen Jahren gab es drei Stufen der Ankündigung von digitalen Neuerungen in der Versicherungsszene. Die ersten beiden sind für die Beteiligten glimpflich verlaufen: In der ersten Welle Ende der 1990er-Jahre traten neue Spieler wie Check24 auf, die die Versicherungsangebote im Web transparenter machten. Damals jedoch hatte die persönliche Beratung durch Agenten immer noch einen Vorteil beim Abschluss, denn die Angebote waren zu komplex, um online fixiert zu werden. Die zweite Welle war geprägt von Apps, die die Versicherungsprodukte verwalteten und strukturierten. Auch hier war die persönliche Beratung noch überlegen. Doch nun steht der Versicherungswirtschaft ein Frontalangriff bevor: Die ersten InsurTechs beantragen bei den zuständigen Bundesbehörden Versicherungszulassungen.

Viel Aufwand ohne Angebot

Diese neuen Versicherungsteilnehmer nehmen die Geschäftsmodelle von der Kundenseite auseinander. Die Getsurance-Gründer Viktor und Johannes Becher beispielsweise haben festgestellt, dass viele Arbeitnehmer keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können. Ihre Lösung: Die bestehenden Produkte auseinander nehmen und den Kunden entscheiden lassen, welchen Schutz er sich wünscht. Wer mit der Branche nichts zu tun hat, fragt sich, was daran so kompliziert sein soll? Insider jedoch kennen den Papieraufwand, den ein Antrag für eine Versicherungspolice nach sich zieht. Bisher läuft es eher so: Das Versicherungsunternehmen startet eine Anfrage auf Schutz im Invalidenfall, den es dann möglicherweise ablehnt. Die Folge: Nicht nur ein saurer Kunde, sondern auch viel Aufwand ohne Versicherungsangebot. Nicht so bei Getsurance. Dort nämlich werden dem Kunden Alternativen angeboten.

Sollte der Versicherungsneuling in der Branche erfolgreich sein, dürfte durch die Digitalisierung von Geschäftsmollen in der Versicherungswirtschaft noch vieles möglich sein. Insider berichten, das der Verwaltungsanteil pro Euro Versicherung im Branchendurchschnitt bei 35 Cent liegt. Wenn das stimmt, sollten sich die Versicherungswirtschaft warm anziehen – und die dritte Welle der Digitalisierung ernst nehmen. Denn hier dürften in den kommenden Jahren viele Arbeitsplätze transformiert werden.

Eine ganze Branche aufmischen

Inzwischen sind auch Angebote wie das der Deutschen Familienversicherung AG erfolgreich. Denn diese Gruppe ist regelmäßig im Feld der privaten Kranken- und Pflegezusatzpolicen Testsieger im Preis-Leistungs-Verhältnis. Hier wird aktuell eine ganze Branche aufgemischt. Da wird das Ausziehen von Krawatten die kleinste kulturelle Übung sein.