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trump-sieg dank psychometrics?

Es begann 1987 mit einem Musikfestival in Austin, Texas. 700 Menschen kamen zusammen, um Pop zu hören. Das Festival South by Southwest (SXSW) gibt es heute noch, Beachtung finden jedoch besonders die Konferenzen und Fachausstellungen, denn hier tummeln sich Vordenker und Visionäre der internationalen Technik- und Start-up-Szene.

Dabei wird über KI und virtuelle Realität gesprochen. Über die wichtigen Entwicklungen der kommenden Jahre diskutiert. Und Bilanz über das bereits Erreichte durch IT gezogen. Für Apple, Google & Co. ein wichtiger Termin, um sich den Debatten zu stellen. Denn hier werden die Themen diskutiert, die in den kommenden Jahren Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigen.

Vielen Teilnehmern war im Frühjahr 2016 wohl nicht klar, wie aktuell ihre Diskussionen und Debatten waren. Es ging um Moral und die Verwertung von Daten durch Internetfirmen, den Staat und Parteien. Für die SXSW-Besucher war die Antwort klar. In einer Umfrage der Festivalveranstalter sagten 61 Prozent der Befragten: Geht es um gesellschaftliche Probleme, hätten sie mehr Vertrauen in technikbasierte Lösungen als in die Politik.

Mittels Facebook-Posts und -Likes die Persönlichkeit bestimmen

Die Vertreter der Internetfirmen schlugen sich dort auf die Seite von Tim Cook, der für Apple erklärte, das man eine Kumpanei als Datenaustausch zwischen US-amerikanischem Staat und Technikfirmen nicht mitmache.

Nach dem US-Präsidentenwahlkampf kam dann die Behauptung auf, dass der neue Präsident die Swing States deshalb gewonnen habe, weil zielgenaue Werbung an die Wähler via Facebook versendet wurden.

Dahinter steht die nicht hinterfragte Behauptung des Cambridge Analytica-Chefs Alexander Nix, man habe Psychogramme von allen erwachsenen US-Bürgern (220 Millionen Menschen) erstellt. Profile in dieser Zahl mag es geben – die Firma betont, dass sie auch auf Offline-Daten zurückgreift. Die Frage ist nur, wie zutreffend diese sein können. Die relativ datenreiche Methode, bei der mittels Facebook-Posts und -Likes die Persönlichkeit bestimmt wird, ist umstritten. Hinzu kommt, dass die Methode der Firma offenbar zu anderen Ergebnissen als die Forschungen führt.

Psychometrics ist eine ernst zu nehmende, wissenschaftliche Disziplin

Dieses Unternehmen soll das Wahlkampfbüro des konservativen Bewerbers beraten haben – und der Chefstratege dort behauptet, das wäre erfolgreich gewesen. Die Debatte war wohl schon weiter, als sie in Austin geführt wurde, als vielen Technikbegeisterten lieb war.

Psychometrics ist inzwischen eine ernst zu nehmende, wissenschaftliche Disziplin, auch wenn das viele noch nicht wahrhaben wollen. Die Cambridge-Mannschaft hat auch gleich mal deutschen Parteien für 2017 ihre Unterstützung angeboten. Mal sehen, wer da zugreift. Die Spiele sind eröffnet. Der Medienwissenschaftsbegründer Marshall McLuhan meint dazu: Kultur ist alles, was durchkommt!