Leistungen // Laterales Management

so funktioniert keine digitale revolution!

MyWallet, das digitale Zahlungsmittel der Deutschen Telekom, ist gescheitert und im Dezember 2016 eingestellt worden. Dabei dachten viele Investoren, es würde so laufen wie in Estland, wo bereits heute weit mehr 80 Prozent aller Einkäufe bargeldlos vonstattengehen. Daher versuchten viele Unternehmen, sich mit selbst entwickelten elektronischen Karten – wie beispielsweise MyWallet – einen Anteil am Transaktionsvolumen der Konsumenten zu sichern sowie gleichzeitig Kundenbindungsprogramme zu starten. Neben der Deutschen Telekom versuchten auch die Sparkassen, die Genossenschaftsbanken und die deutsche Postbank ihr Glück.

Große kulturelle Unterschiede beim Barzahlen

Bereits bei den existierenden bargeldlosen Zahlungsmitteln gibt es in Europa deutliche Unterschiede. „Hinsichtlich der Akzeptanz neuer Zahlungstechnologie durch die Konsumenten liegt Deutschland hinter innovations-affinen Regionen wie Großbritannien und Skandinavien“, betont Gökhan Öztürk, Partner bei der Beratung Oliver Wyman. Beide Märkte wiesen das höchste Volumen und die stärksten Wachstumsraten im bargeldlosen Zahlungsverkehr auf. In Deutschland hingegen werden verhältnismäßig große Zahlungsvolumina im Lastschriftverkehr transferiert. Bargeld bleibt ebenfalls eine zentrale Zahlungsmethode. Der durchschnittliche Betrag bei Barabhebungen von 129 Euro ist in Deutschland im Vergleich zu Großbritannien/Irland mit 85 Euro relativ hoch.

Deutsche sind Kreditkartenmuffel

Die Deutschen sind Kartenmuffel und lieben Ihre Bargeldzahlung. Warum das so ist, dafür gibt es unterschiedliche Interpretationen. Historiker sprechen von einem nahezu neurotischen Verhältnis zum Geld der Deutschen. Wer kennt nicht den Spruch der Großeltern, dass 1923 und 1945 jeweils das Geld kaputt gegangen sei und man Währungen immer misstrauen sollte. Die Inflation 1923 und der Währungsschritt nach 1945 waren traumatische Erlebnisse. Plötzlich war das Geld nichts mehr wert. Noch heute rechnen viele Deutsche – 15 Jahre (!) nach der Einführung des Euro – beim Einkauf noch in D-Mark um.

Nicht jedes neue Produkt ist auch zu verkaufen

Da wundert es schon, dass die Banken im Privatkundengeschäft dachten, mit der Einführung neuer bankenspezifischer, elektronischer Geldkarten in Deutschland ist ein Geschäft zu machen. Denn auf der Kundenseite fühlte sich das merkwürdig an. Da hatte man schon eine Kredit- und EC-Karte und sollte nun noch ein drittes elektronisches Zahlungsmittel nutzen. So funktioniert doch keine digitale Revolution!

Für digitale Produkte müssen vier Voraussetzungen erfüllt ein:

- Sie müssen dem Kunden einen Nutzen stiften.

- Sie müssen einfach bedienbar sein.

- Sie müssen kulturell passen.

- Sie müssen neuartig sein.

Hätten Start-ups die Banken beraten, die meisten hätten wohl von der Entwicklung abgeraten. Die Idee, eine eigene digitale Karte zu entwickeln, wurden jedoch in allen Banken intern entwickelt. Hätten sie doch nur auf Albert Einstein gehört: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Leider neigen viele Unternehmenskulturen zu solchen Denkweisen.