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Rocket Internet & Zalando

Zalando ging 2014 an die Börse. Nachdem das Unternehmen 2014 erstmals einen Gewinn erwirtschaftet hatte, war es mit einem Quartalsverlust von 18 bis 32 Millionen Euro im dritten Quartal 2015 wieder kräftig ins Minus gerutscht. Noch am selben Tag verlor die Zalando-Aktie zeitweise mehr als 13 Prozent an Wert. Zalando mutet seinen Aktionären einiges zu.2 Sobald das Unternehmen einen Gewinn macht, wird dieser wieder in Marketing und Wachstum gesteckt. Der Aktienkurs hat sich inzwischen wieder deutlich erholt und gilt wie Amazon als ein gutes Investment.

Die Eigentümer von Rocket Internet sprechen gerne von der Old und der New economy. Old economy, das sind Läden in der Fußgängerzone von Städten und Gemeinden, die ihre Waren vor Ort in Shoppingmalls verkaufen. New Economy, das ist der Vertrieb über das Internet. Derzeit ist der Anteil der Online-Versand-Händler am Gesamtmarkt in Europa noch unter 5 %. Oliver Samwer von Rocket Internet sagt voraus, dass dieser Anteil in den kommenden 5 Jahren rasch wachsen wird. In 10 Jahren würde der Anteil bei 25 % liegen. Shoppingmalls würden als Marktplätze an Bedeutung verlieren.

Das Ziel von Rocket Internet ist es, die Geschäftsmodelle von etablierten Unternehmen anzugreifen. „Hat Wal Mart den Supermarkt erfunden oder die Deutsche Bank das Bankengeschäftsmodell?“ frägt Samwer rhetorisch. „Es ist ohnehin in der digitalen Welt schwierig genug, ein Unternehmen aufzubauen, dessen Geschäftsmodell länger als fünf Jahre hält.“1 Dabei setzt Rocket Internet auf Wachstum als europäisches Pendent zu Amazon. Gewinne spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Es heißt schneller sein als die Mitbewerber und neue Ideen kundenorientiert umzusetzen.

Einer der Gründer von Zalando, Robert Gentz, formuliert das manchmal chaotische Arbeiten so: „An allen Ecken und Enden brannte es, ständig flogen uns die Abläufe um die Ohren.“ Von den Gesetzen der Branche, ihrem Rhythmus von Frühjahr/Sommer- und Herbst/Winter-Saison, habe man „keine Ahnung gehabt“, gesteht er. Entsprechend groß war die Überraschung, als die Logistiker im Herbst mehr Lagerfläche forderten, weil schwere Winterstiefel nun mal nicht in die kleinen Sommerkartons passten.2

Um nicht im Chaos zu versinken, hat Zalando recht früh damit begonnen eine eigene Abteilung „Organisationsentwicklung“ aufzubauen. Diese Manager reflektieren die Kultur im Unternehmen, was Führen, Entscheiden und Zusammenarbeiten betrifft. Zalando sei ein Unikat. Diese Geschwindigkeit der permanenten Neuorganisation hält man nur durch, wenn man parallel zur operativen Tätigkeit immer wieder überlegt, wie machen wir das und was können wir daraus lernen und besser tun.

Neben all der Hybris von Rocket Internet sich als europäischer Mitbewerber von Amazon aufzubauen und Geschäftsmodelle von Dax-Unternehmen angreifen zu wollen, braucht es auch ein flexibles, eigenverantwortliches, reflektiertes und damit laterales Management. Das Modell funktioniert gut. Zalando ist inzwischen der zweitgrößte Arbeitgeber in Berlin. Nur die Berliner Stadtverwaltung hat mehr sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter.


Literatur:

1 FAZ, 26.1.2016, Die deutsche Internetrakete

2 Brand 1 Rennmäuse 12/2015

Geschwill, Roland & Nieswandt, Martina, Laterales Management, Das Erfolgsprinzip für Unternehmen im digitalen Zeitalter, Springer 2016