Leistungen // Laterales Management

otto und der kulturwandel

Der Versandhandel heute und in den 1950ern sind zwei völlig verschiedene Schuhe. Während es früher in allen Familien ein Ereignis war, wenn die frisch gedruckten Warenkataloge halbjährlich mit der Post kamen und Trendiges bestellt werden durfte, ist es heute zu einer schnellen Nummer geworden: Neues und Trendiges erreicht den Käufer mittlerweile im Minutentakt per E-Mail auf Rechnern und Smartphones – und ist genauso schnell bestellt.

Und wer kennt noch den Quelle Versand aus Nürnberg? Der war zwar bis in die 1990er Jahre der große Konkurrent des Otto Versands in Hamburg. Während Quelle jedoch  Opfer des Internets wurde, hat Otto sich rechtzeitig neu erfunden und schreibt schwarze Zahlen – beide ein interessantes Beispiel für die digitale Revolution.

Transformation war schon im Gründungsgen von Otto

Wohlhabend wurde Werner Otto, Gründer des gleichnamigen Konzerns allerdings nicht mit dem Versandhandel. Er startete bereits Ende der 1960er Jahre ein zweites, ebenfalls sehr erfolgreiches Unternehmen. Die ECE-Gruppe ist noch heute einer der erfolgreichsten Betreiber europäischer Einkaufszentren. Und auch der Erwerb von Immobilien, die er damals in New York kaufte, spülten ordentlich Geld in die Unternehmenskasse. Dort nämlich erlebte Otto, dass US-Amerikaner gerne in Shoppingmalls (Einkaufszentren) einkaufen gingen. Während in Deutschland Warenhäuser wie Hertie, Horten, Kaufhof, Karstadt & Co. sowie viele Einzelhändler in den Innenstädten etabliert waren, war der Bau von Einkaufszentren damals gänzlich neu.

Ferner waren die Mitglieder der Familie Otto immer Kunstmäzene, die weit über Hamburg hinaus Kulturinstitutionen unterstützten. Wer sich mit Kultur ernsthaft auseinandersetzt, kann nicht so tun, als hätte Veränderung (das WAS) nichts mit der Art, wie wir führen, entscheiden und zusammenarbeiten (dem WIE) zu tun. Daher galt das Unternehmen Otto immer schon als innovativ.

Eine digitale Erfolgsgeschichte

2016 wurden bereits 70 Prozent aller Geschäfte digital abgewickelt. Otto hat diese Entwicklung allerdings bereits vor Jahren vorweggenommen und unter anderem den E-Commerce-Spezialisten Collins gegründet, aus dem mittlerweile diverse Modemarken mit Hilfe interner und externer Experten entstanden sind.

Kooperationen, der Zukauf und Verkauf von Firmen, das Gründen von Start-ups sowie Kulturinitiativen wie die „FuckUp-Night“, gehören inzwischen zu den Transformationsoptionen. Bei den FuckUp-Nights beispielsweise treffen sich Manager und Interessierte und erzählen sich die Geschichte ihres Scheiterns.

Erfolgreiche Geschichte des permanenten Kulturwandels

Was heute als schlüssiges Geschäftsmodell und nach einer kontinuierlichen Unternehmensentwicklung aussieht, war allerdings in den vergangenen Jahren ein harter Weg. Nicht nur Zalando und Amazon schrieben rote Zahlen, sondern auch Otto hatte bis 2015 mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. 2015 gab es nach Jahren erstmals wieder ein Gewinn von 187 Millionen Euro, der 2016 nach firmeninternen Berichten nochmals übertroffen wurde.

Das Unternehmen weiß, dass das ein langer Weg wird und dass das Tempo der Veränderung sich in den kommenden Jahren weiter steigert. Gegenüber den Mitbewerbern hat das Unternehmen mit der erfolgreichen Geschichte des permanenten Kulturwandels allerdings beste Voraussetzungen, am Markt zu bestehen.