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Start-ups?

Inzwischen ist es schick für Großunternehmen, in der Start-up-Szene mitzumischen. Commerzbank, DATEV, Deutsche Telekom, Lufthansa, Siemens – sie alle wollen mit Wagniskapital in die Zukunft gehen. Sogar die Deutsche Bahn sucht nach innovativen Ideen.

Siemens fördert Ausgründungen und will in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro als Risikokapital investieren. Das klingt nach großen Summen. Der zuständige Vorstand Siegfried Russwurm setzt auf Start-ups außerhalb des Unternehmens, in dem immerhin 32.000 Menschen in Forschung & Entwicklung beschäftigt sind. Das Projekt hat den schmissigen Namen next47. Hier ist die Unterstützung eigener Start-ups als Ausgründungen, die Kooperation mit Unternehmen aus der neuen Gründerszene und der Kauf von Unternehmen gebündelt. Siemens macht richtig Druck, um digitale Innovationen zu erzeugen. General Electric, Siemenskonkurrent und siebengrößtes Unternehmen der Welt, hat ebenfalls die Zeichen der Zeit erkannt und investiert kräftig.

General Electric investiert in Lübeck

Der Mischkonzern „General Electric“ (GE) übernimmt im Trendsektor „3D-Druck“ gleich zwei europäische Anbieter. In Deutschland bekannt dürfte "SLM Solutions" sein. Die im TecDAX notierte Aktie der Lübecker geht heute förmlich durch die Decke. Im Detail will die GE-Tochter „GE Aviation“, ein führender Hersteller von Flugzeugtriebwerken, 38 Euro pro SLM Solutions-Aktie zahlen. Das entspricht einem Übernahmepreis von 683 Millionen Euro. Für rund 31,5 Prozent der Aktien hat GE bereits Zusagen der Altaktionäre.

Die Standorte und auch die Belegschaft sollen übernommen, ja sogar ausgebaut werden. SLM Solutions-Gründer Hans-Joachim Ihde freut sich: "General Electric begleitet uns als Anwender und Kunde schon seit unserer Anfangszeit. In der Luft- und Raumfahrttechnik haben sie eine Vorreiterrolle eingenommen und frühzeitig die Vorteile des selektiven Laserschmelzens – zum Beispiel beim eingesparten Gewicht der Bauteile – erkannt. Mit der Multi-Laser-Technologie von SLM Solutions und ihren Vorzügen im Wettbewerb sind sie bestens vertraut." Hier wird in einem Volumen Geld in die Hand genommen, da erscheint die eine Milliarde Euro von Siemens insgesamt als kleinteilig. Daher ist es wichtig, drei gängige Annahmen über Start-ups zu entmystifizieren.

Drei Start-up-Mythen sollten nicht mehr kolportiert werden

1. Start-ups sind Garagenfirmen:
Inzwischen hat sich die Szene professionalisiert. Gründer sind zwischen 25 und 40 Jahre alt und haben häufig Managementerfahrungen in jungen Unternehmen gesammelt. Wenn GE ein TecDAX-Unternehmen kauft, dann ist das eine sehr gut geplante Akquisition. Der Start-up-Markt ist inzwischen ein Wirtschaftszweig für digitale Ideen.

2. Technische Innovation ist wichtiger als soziale Innovation:
Erfolgreiche Start-ups legen heute radikal Wert auf selbstverantwortliche Strukturen. In unserem Buch Laterales Management beschreiben wir rund 30 Unternehmen, die diesen Weg gehen. Aus einer gewachsenen Unternehmenskultur ist es nicht möglich, schnelle, inkrementelle Innovationen zu generieren. Start-ups bauen auf selbstverantwortliche Teams, die hoch motiviert sind. Diese Unternehmen müssen mit neuen Denkmustern (Mindsets) arbeiten. Dabei gilt es, Kreatives in Innovationen schnell umzusetzen. Das dauert in den Führungs- und Entscheidungsstrukturen traditioneller Unternehmen zu lange. Technische Innovation kann ohne soziale nicht funktionieren. Start-ups werden wegen der sozialen Innovation ausgegründet und nicht wegen der technischen. Wir von der „Denkwerkstatt für Manager“ haben ein empirisch validiertes Modell vorgelegt, wie soziale Innovationen bei Start-ups erfolgreich sind: „Fast Cultural Change. The Role and Influence of Middle Management“ von Dr. Martina Nieswandt (Palgrave MacMillan Verlag, 2015).

3. Start-ups brauchen Businessmodelle:
Es ist die Erfahrung, dass viele Businessmodelle der Gründerzeit von Start-ups bereits nach wenigen Wochen obsolet waren. Die deutschen Risikokapitalgeber arbeiten immer noch mit alten Finanzierungsmodellen. US-amerikanische Risikokapitalgeber prüfen Ideen, nicht Zahlen. Viele erfolgreiche Gründer machen sich heute lustig über ihre ersten Businessmodelle.