Leistungen // Laterales Management

krankenhäuser und die Digitalisierung

Ulrike Röse-Maier ist Geschäftsführerin der „Media Consult Maier“ in Karlsruhe. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert für Krankenhäuser medizinisches Personal zu suchen. Nach ihrer Einschätzung haben Krankenhäuser ein riesiges Potential, digitale Anwendungen einzusetzen. Tatsächlich sind deutsche Krankenhäuser weit rückständiger als holländische oder dänische Kliniken. Über die Ausnahme der Universitätsklinik Eppendorf in Hamburg haben wir bereits in diesem Blog berichtet.

Die Agaplesion-Krankenhäuser sind ein weiterer Leuchtturm, der in den kommenden drei Jahren 300 Millionen Euro in digitale Prozesse investieren wird. Die Krankenhauskette hat an 20 Standorten 25 Kliniken und betreut dort jährlich rund 750.000 Patienten.

Das Unternehmen hat bereits einige Digitalisierungsschritte erfolgreich beschritten. So wird die digitale Patientenakte Ende 2017 umgesetzt sein. Das klingt einfach, ist jedoch schwer zu realisieren. Die E-Akte dürfte in der öffentlichen Verwaltung nur von ca. zehn Prozent aller Verwaltungen realisiert sein. Und das, obwohl das technisch seit mindestens zehn Jahren möglich ist.

Sind Kliniken dem BIG Data von Google und IBM Watson gewachsen?

Ein nächster Schritt ist das Krankenhaus-Informationssystem (KIS). Hier sollen Patienten ihre Diagnosen und einen Weiterbehandlungsplan einsehen und gestalten können. Auch ist angedacht, die Patienten mit Fitness-Armbändern zu versorgen, so dass sie ihre wichtigen medizinischen Daten selbst auswerten und steuern können.

Markus Horneber, der Vorstandsvorsitzende des viertgrößten Klinikverbundes in Deutschland, beschäftigt das Zukunftsthema Digitalisierung, weil er sich Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit seiner Klinik macht. Während die Branchenführer, Fresenius Helios, Rhön und Sana-Kliniken expandieren können – Helios hat sich 2016 für sechs Milliarden Euro in den spanischen Markt eingekauft – müssen kleinere Kliniken immer mehr auf Effizienz und Nischen setzen.

Besonders im Blick hat Horneber die Veränderungen beim Datensammeln und -auswerten von Google, SAP und IBM. Google Calico sammelt im Netz Daten über das Altern. Google Baseline kooperiert mit Ärzten, damit diese Patientendaten anonymisiert erheben können, die dann der Google-Konzern systematisiert und auswertet. Damit können dann Diagnosen und Routinen vereinfacht werden.

Der Gesundheitsmarkt wird neu aufgeteilt

In einem anderen Blogbeitrag haben wir bereits berichtet, dass IBMs Watson Health nicht nur die jährlichen 170.000 Artikel zu Entwicklungen bei Krebs analysiert, sondern auch Krebsdiagnosen in der Kooperation mit dem größten indischen Klinikverbund evaluiert.

Die Krankenhäuser sollen viel Geld dafür bezahlen, dass sie das Datenmaterial in Zukunft nutzen können. Die IT-Konzerne werden zukünftig mehr Marktmacht haben als alle Mitbewerber im Klinikbereich. Da ist sich der Geschäftsführer der evangelischen Kliniken ganz sicher. Bei Agaplesion weiß man, dass sich der Gesundheitsmarkt gerade neu aufteilt.