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mehr Gründer und Start ups?

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag verabredet, ein Wagniskapitalgesetz zu erlassen. Es sollte die Bedingungen für Risikokapital, das Start-ups vor allem in der Wachstumsphase brauchen, verbessern. Doch bezweifle der Finanzminister dass die unterentwickelte Start-up-Branche durch steuerliche Maßnahmen wirklich belebt werden könne. Die Themen seien damit aber nicht vom Tisch, sagte Jens Spahn (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Nach Spahn´s Angaben verhandelt das Finanzministerium derzeit mit der EU-Kommission über steuerrechtliche Privilegien bei anfallenden Verlustvorträgen bei Start-ups. "Wir brauchen eine beihilferechtlich saubere Lösung. Ziel ist es, dass wir bei einem Beteiligungswechsel an jungen Unternehmen die Verlustvorträge erhalten, um die Attraktivität für Risikokapital-Investoren zu erhöhen. Wir wollen das ausdrücklich auf Startups begrenzen."1


Frau Nahles möchte alle Selbständigen in die gesetzliche Rente zwingen, da diese sich nicht selbst für das Alter absichern wollen und dann der Staat diese finanzieren müsse.

Wie lässt sich dieser widersprüchliche politische Diskurs einordnen?

Die Fakten:

In den USA verfügen Start ups über etwa 3 x mehr Risikokapital als in Deutschland. Gleichzeitig ist die Gründungsquote in den USA trotz des Hypes in Siilicon Valley rückläufig.2 In Deutschland dagegen hat sich die Anzahl der Selbständigen seit 1999 von 668.000 auf 1.309.000 im Jahr 2015 verdoppelt.3

Die Erfolgsautoren der Digitalisierungsökonomie Mc Affee und Brynjolfsson beschreiben als Kernfaktor für eine gelungene Bewältigung der Digitalisierung, die Flexibilisierung von Arbeit. Mehr Kreativität würde dazu führen, dass die Zusammenarbeit von Mensch & Maschine neues wertvolles schaffe. Sie bemängeln jedoch in allen Volkswirtschaften einen Rückgang der unternehmerischen Dynamik und Flexibilität.

Wird in Deutschland immer das fehlende Wagniskapital als Bremse der Digitalisierung diskutiert, beginnen die Menschen sich hierzulande schon längst umzudenken und machen sich einfach selbständig. Mut braucht es dazu, Risikobereitschaft und vor allem eine gute Qualifikation. Denn ohne gute Produkte und Angebote für den Markt gehen diese Missionen schief. Händeringend suchen Unternehmen nach kreativen, selbstbewussten, risikobereiten und hochmotivierten Kräften. Mit diesen wollen Sie die digitale Revolution gewinnen. Viele dieser seltenen Spezies drängt es jedoch zum selbständigen Arbeiten. In unserem aktuellen Buch beschreiben wir, was diese Gruppe von Wissensarbeitern so erfolgreich macht.4 Sie sind lernbegierig und vernetzen sich kompetent. Dafür brauchen sie auch keine Lobby.

Die Debatte, die Wolfgang Schäuble angestoßen hat, ist grundsätzlich wichtig. Es ist nicht notwendig Klientelpolitik für Gründer zu betreiben, auch wenn dies, die wie Pilze aus dem Boden schießenden, Start up Verbände fordern. Politik sollte sich darauf beschränken, die digitale Infrastruktur in Deutschland auszubauen. Was wir tatsächlich brauchen sind schnellere digitale Netze. Die Menschen hierzulande haben sich schon längst selbst organisiert und sich verselbständigt. In allen Analysen über die die finanziell erfolgreichsten gesellschaftlichen Gruppen stehen immer Selbständige und Beamte an erster Stelle. Arbeitnehmer belegen dann je nach Qualifikation in der Regel die nachfolgenden Plätze. Was Frau Nahles vor hat bezieht sich auf ca. 300.000 Selbständige, die tatsächlich weniger als 8,50 € pro Stunde verdienen. Diese Gruppe in dieser Größe gab es jedoch schon vor 1999. Damals kümmerte das Keinen in der Politik.

Dass Selbständige gerade jetzt in die gesetzliche Rente gezwungen werden sollten, hat den Grund, dass ca. 1 Million Selbständige gut verdienen und die Rentenkasse langfristig sichern sollen. Die zukünftige Stärke der digitalen, deutschen Wirtschaft wird auch eine breite Gruppe gut qualifizierter Selbstständiger sein, die sich selbst organisiert und keine Geschenke des Gesetzgebers braucht. Und was sie gar nicht braucht sind Politik Nannis mit fadenscheinigen Argumenten.

Literatur:

1 http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2016-05/37293626-schaeuble-blockiert-gesetz-zur-foerderung-von-risikokapital-003.htm

2 Mc Affee und Brynjolfsson, Harvard business manager, 9/2015

3 Brand 1, Mai 2016. S.70, Freie Kräfte

4
Geschwill, Roland & Nieswandt, Martina, Laterales Management, Das Erfolgsprinzip für Unternehmen im digitalen Zeitalter, Springer 2016