Leistungen // Laterales Management

digitalisierung verändert immobilien-märkte

Das Wirtschaftsbuch The Second Machine Age vertrat 2014 die steile These, dass Wirtschaft und Gesellschaft vor einer digitalen Revolution stehen. In unserer aktuellen Veröffentlichung Laterales Management haben wir uns dieser These angeschlossen. Aber stimmt das wirklich? Verändert sich die Welt wirklich grundlegend?

Überprüft haben wir das an der Wirkgeschichte des Unternehmens Airbnb. Das Internetportal wurde 2008 in San Francisco gegründet und hat seit dieser Zeit mehr als 100 Millionen Menschen weltweit eine Übernachtung vermittelt. Ursprünglich sah das Geschäftsmodell die Vermittlung von Ferienhäusern vor. So entstand auch der Name „Airbed and breakfast“ (Airbnb). Heute ist das Angebot vielfältiger als die Luftmatratze mit Frühstück erahnen lässt. Im Angebot sind Villen, Schlösser, Baumhäuser, Iglus, Boote und sogar Inseln.

Airbnb macht noch immer Verluste

Der Marktwert von Airbnb wird auf 25 Milliarden Dollar geschätzt und übertrifft damit den aktuellen Börsenwert der weltweit arbeitenden Hilton Gruppe um zwei Milliarden Dollar. Gleichzeitig ist die Übernachtung in einer Airbnb-Unterkunft halb so teuer wie in einem Hilton-Zimmer. Die Hilton-Gruppe verfügt immerhin über 700.000 Zimmer in 4.000 Hotels. Der Unterschied zwischen den Hilton Hotels und Airbnb besteht in der Wirtschaftlichkeit. 2014 wies der Hilton-Konzern ca. 500 Millionen Dollar Nettogewinn aus. Nach Expertenschätzungen macht Airbnb immer noch Verluste.

Glaubt man der Presse, dann kann Airbnb gar nicht erfolgreich sein. Kommunen wehren sich gegen die Umwandlung von knappem Wohnraum in den Stätten in illegale Touristenübernachtungsstätten. Hotels klagen über die qualitativ weit schlechtere Konkurrenz, die sich nicht um staatliche Auflagen kümmern würde. Städte wie Berlin gehen mit einer staatlichen Verfügungen wie einem Zweckentfremdungsverbot gegen Airbnb vor. Mit diesem Instrument soll es möglich sein, Vermieter, die Übernachtungsgäste beherbergen, zu verklagen und letztendlich diese neue Vermietungsform zu verbieten.

Die Wirklichkeit sieht jedoch ganz anders aus. In Deutschland bucht jeder elfte Tourist über ein Online-Portal eine Privatunterkunft. Das sind 15 Millionen Buchungen pro Jahr in rund 50.000 privaten Wohnungen. In Berlin allein sind es sechs Millionen Buchungen.

Weltoffene Städte brauchen Privatunterkünfte

Der Berliner Senat rudert inzwischen im Kampf gegen die Online-Portale zurück. Es hat sich herausgestellt, dass 80 Prozent der Buchungen in der Stadt in zwei Stadtteilen stattfinden. In den Szenevierteln im Prenzlauer Berg und Neukölln. Die Mär von den bösen Vermietern, die angestammte Wohnviertel zweckentfremden und gentrifizieren ist haltlos. Die Gentrifizierung erfolgt in Szenevierteln durch Nichberliner und treibt wie in allen Großstädten die Immobilienpreise hoch. Das kann eine Kommune beklagen; aber sehr selten wirklich ändern.

Weltoffene Städte brauchen heute Privatunterkünfte, die durch Online-Vermittler gebucht werden können. Man kann nicht mit Weltmetropolen um Touristen konkurrieren wollen und moderne Übernachtungsmöglichkeiten ausschließen.

Ach, ja, die Zahlen und die Wirkgeschichte sprechen übrigens ganz klar für die These aus „The Second Machine Age“, dass wir uns mitten in einer digitalen Revolution befinden. Solche Veränderungen treffen immer wieder auf kleinkarierte, rückwärtsgewandte und besonders bürokratiegläubige Spießer, die meinen sie könnten tiefgreifende, technologiegetriebene Veränderungen aufhalten. Das hat jedoch noch nie funktioniert.