Leistungen // Laterales Management

digitalisierung bedeutet für Unternehmen zunächst kultur-veränderung?

Große wirtschaftliche Veränderungen, wie im 19. Jahrhundert die Anwendung der Dampfmaschinenkraft (Eisenbahnen) oder im 20. Jahrhundert die flächendeckende Einführung des elektrischen Stroms haben immer zu sozialen Veränderungen geführt. Die Menschen haben anders zusammengearbeitet, kommuniziert und Ressourcen verteilt. Das nennt man soziale Innovation.

Viele Unternehmen reden heute von der digitalen Transformation, aber was meinen sie damit konkret? Das Unternehmen Weleda beschäftigt 1.400 Menschen und stellt kosmetische Naturprodukte her. Es hat seinen Sitz in Bad Boll in Baden-Württemberg, baut dort traditionell landwirtschaftsfläche Kräuter unter strengen, ökologischen Bedingungen an und verarbeitet sie weiter für die Naturkosmetikprodukte. Bad Boll liegt landschaftlich romantisch am Fuße der Ostalb. Braucht das anthroposophisch ausgerichtete Unternehmen Digitales?

Digitale Transformation ist soziale Innovation

Manchmal ist die Antwort auf eine solche Frage ganz trivial: Weleda wollte ein Mitarbeitertreffen 2016 für alle Menschen der verschiedenen Standorte organisieren. Menschen an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Uhrzeit zu versammeln, braucht eine bestimmte Organisation. Das Unternehmen hatte ein digitales Chat-Programm angeschafft, das bisher ein Dornröschen-Dasein hatte. Anstatt mit E-Mails sollte das Treffen erstmals auf diesem Programm organisiert werden: Welche Gruppe organisiert was, und wer wird wie informiert? 1.400 Menschen brauchen beispielsweise Übernachtungsmöglichkeiten. Das ist eine logistische Aufgabe.

Das Ergebnis: Die digitale Organisation funktionierte für die Veranstaltung effektiver und es gab weit weniger Flops. Damit lernten die Organisatoren des Treffens an einem konkreten Beispiel, wie sich der Einsatz digitaler Medien lohnt. Das Chatprogramm wird heute nun für weitere Projekte bei Weleda genutzt. Das Unternehmen hat in Folge der Erfahrung eine neue Stelle besetzt, die eines „Unternehmens-Architekten“. Er kümmert sich um die Ausbreitung digitaler Strukturen im Unternehmen.

Digitalisierung braucht manchmal zunächst kleine erste Schritte

Das Beispiel ist in mehrerer Hinsicht interessant. Meist wird bei Digitalisierungsprojekten über Kundenvernetzung gesprochen. Ein Unternehmen wird jedoch die digitale Transformation erst dann schaffen, wenn intern digitale Prozesse funktionieren. Solange noch persönliche Kontakte, Telefonate und E-Mails die Kommunikation intern steuern, wird sich eine neue digitalisierte Lieferanten-Unternehmens-Kunden-Prozesskette wohl schwerlich realisieren lassen.

Das Beispiel von Weleda zeigt, dass Digitalisierung manchmal zunächst kleine erste Schritte braucht, um sich kulturell durchzusetzen. Auch haben die Menschen in der Organisation das Programm selbst entwickelt und eingesetzt. Das ist klassische Organisationsentwicklung: Betroffene zu Beteiligten an Veränderungsprozessen werden zu lassen. Natürlich steht Weleda noch ganz am Anfang der Digitalisierung eines Unternehmens. Andere Organisationen müssen sich hier viel schneller orientieren, gründen daher Start-ups oder legen entsprechende interne Projekte auf. Das Beispiel Weleda zeigt jedoch, dass soziale Innovationen wichtiger sind als technische Innovationen. Dort gibt es jetzt die kulturelle Voraussetzung für weitere Veränderungen, die nun schneller und mit weniger Rückwärtsgewandtheit erfolgen können.