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Was macht der  digitale Doktor?


Ein faszinierendes Wirtschaftsfeld – nicht nur, weil wir auch im Gesundheitsmarkt tätig sind. Denn Röntgen, MRT, CRT u.a. sollen in wenigen Jahren überflüssig werden. Die Vision amerikanischer Forscher: Wir schlucken kleine Kugeln wie Globoli und diese Minisonden liefern in Echtzeit Fotos auf das Smart-Phone von Arzt und Patient. Somit wird nicht nur der Gang zum Röntgenspezialisten überflüssig. Diagnose und Behandlungsplan werden zukünftig an einem Ort durchgeführt.

Fortschrittliche Mediziner sind zudem an ein Gesundheitsportal wie CrowdMed oder NetDoctor aus den USA angeschlossen, die Patienten bei komplexen Diagnosen beraten: Medical Detectives durchforschen medizinische Datenbanken nach Behandlungserfolgen und senden drei Top-Behandlungspläne für etwa 200 US-Dollar an den Patienten. Bereits 2013 hatte NetDoc vier Millionen Besucher auf seiner Homepage3.

Dazu passt, dass IBM dieses Jahr vier Unternehmen aufkaufte, die medizinische Daten sammeln und internetbasierte Gesundheitsdienstleistungen anbieten4. Das Unternehmen Merge Healthcare zum Beispiel sammelt und verwaltet digital klinische Diagnosen und wechselte  für 1 Milliarde US-Dollar den Besitzer.

In Indien wird die medizinische Diagnostik revolutioniert

Investiert ein Softwareriese wie IBM in einen Markt, kann davon ausgegangen werden, dass dort zukünftig viel Geld zu verdienen ist. Mit dem Zusammenführen unterschiedlicher Gesundheits-Software beispielsweise wird mit „Watson Health“ ein Computer aufgebaut, der in Zukunft Ärzte weltweit dabei unterstützen soll, Diagnosen und Behandlungspläne schnell, kostengünstig und erfolgversprechend zu entwerfen.

Konkrete Schritte macht IBM in der Kooperation mit der indischen Krankenhauskette MANIPAL: In den 16 Kliniken werden jedes Jahr ca. 200.000 positive Krebsdiagnosen gestellt. Prognosen sagen in den kommenden Jahren gar eine Verfünffachung voraus. Bereits heute werden in Indien rund 1.600 Krebspatienten von nur einem Onkologen betreut (der Schlüssel in den USA 100:1). „Was ein Team aus Krebsärzten und Onkologen dort unter Umständen sechs Tage kosten würde, kann mit einem mobilen Computer oder einem i-Pad in wenigen Minuten erledigt werden“, so Rob Merkel von Watson Health.

In Indien wird derzeit die medizinische Diagnostik revolutioniert. Und die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt werden in zwei bis drei Jahren weltweit vermarktet. Der digitale Doktor braucht dann weniger Zeit für die Diagnose und hat mehr Zeit für den Patienten. Das Management von Kliniken und Arztpraxen wird lateral sein und kooperativ mit Patienten arbeiten.

 

Literatur:

1 Geschwill, Roland & Nieswandt, Martina, Laterales Management, Das Erfolgsprinzip für Unternehmen im digitalen Zeitalter, Springer 2016

2 FAZ, Es sägt und näht der Roboter. 10. Mai 2016, S.57

3 Sattelberger, Thomas, u.a., Das demokratische Unternehmen, Haufe, 2015, S.43

4 FAS, Der digitale Doktor. 12. Juni 2016, S.23