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Wie digital sind eigentlich deutsche Verwaltungen?

Die Idee des papierlosen Büros war zwar schon 30 Jahre alt, sollte nun aber endlich umgesetzt werden. Und weil Steuerunterlagen digital ans Finanzamt zu übermitteln seit wenigen Jahren realisiert war, sollte es Modell & Pate für viele weitere Verwaltungsabläufe werden.

Die Herausforderungen, vor denen Bund, Länder und Kommunen stehen, sind jedoch groß: Die für 2020 eingegangenen Verpflichtungen können mit der bestehenden IT-Infrastruktur nicht bewältigt werden. Denn der Abschied vom Papier geht mit enormen Datenmengen und somit mit hohen Anforderungen an Speicher-, Netzwerk- und Servertechnik einher.

Ferner rechnen Experten nach der Gesamtumstellung von Bürgeranfragen auf E-Mails mit gut 160 Millionen Anfragen jährlich. Die Zahl der Anfragen von Unternehmen wird dabei um ein Vielfaches höher veranschlagt. Diese Flut an E-Mails wird vor allem aufgrund der hohen Erwartungen, die Bürger und Unternehmen an Qualität und Geschwindigkeit der Bearbeitung stellen, eine weitere große Herausforderung darstellen.

40 Prozent Rabatt für online genutzte Verwaltungsdienstleistungen

Ein weiteres erklärtes Ziel ist, den Bürgern den Zugriff auf ihre gespeicherten digitalen Daten zu ermöglichen (“Transparenzgesetz”). Diese Anwendung wird auf einem sehr leistungsstarken, flexiblen System laufen müssen, das den gleichzeitigen Anfragen von mehreren Millionen Bürgern gewachsen ist. Nicht auszudenken, welche Signale es an die Öffentlichkeit senden würde, wenn die Systeme wegen Überlastung ausfallen.
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Nun schlagen Fachleute Alarm2, denn zwei Jahre sind vergangen und es ist wenig geschehen. Der Schwerpunkt vieler Behörden liegt auf öffentlichkeitsrelevanten Themen wie Asyl und Sicherheit. Länder wie Österreich, Estland, Großbritannien und selbst Italien, Portugal und Frankreich sind hier weiter als Deutschland, wo nur 39 Prozent der Bevölkerung digitale Angebote von Behörden nutzen. Österreich prescht mit seiner Bürgerkarte mit Handy-Signatur vor, die von immer mehr Bürger genutzt wird: Wer Geburtsurkunde, Strafregisterauszug oder Parkschein über ein E-Government-Portal beantragt, zahlt viel weniger Gebühren. Es gibt 40 Prozent Rabatt, wenn Verwaltungsdienstleistungen online genutzt werden.3

Österreich gilt neben Estland, dem Sillicon Valley Europas, als Spitze bei der Digitalisierung im öffentlichen Bereich. Bis 2015 wurden in Deutschland Stellen im öffentlichen Bereich abgebaut. Mit dem Asylantenstrom kam die Wende und es arbeiten erstmals wieder mehr Menschen im öffentlichen Bereich. Digitalisierung könnte hier die öffentlichen Haushalte entlasten, wenn man es denn wollte.

 

Literatur:

1 http://www.behoerden-spiegel.de/icc/Internet/sub/fa6/fa630840-9fa1-ed41-85db-3b9307b988f2,,,aaaaaaaa-aaaa-aaaa-bbbb-000000000003&uMen=1f75009d-e07d-f011-4e64-494f59a5fb42.htm

2 FAZ, Deutsche Behörden verpassen die Digitalisierung, 15. Juni 2016, S.18

3 http://www.cebit.de/de/news/verwaltung-4.0-staat-ups-in-europa.xhtml

4 Geschwill, Roland & Nieswandt, Martina, Laterales Management, Das Erfolgsprinzip für Unternehmen im digitalen Zeitalter, Springer 2016