Leistungen // Laterales Management

digitale klinik? nicht bei uns!

Kliniken sind für Krankenkassen der größte Ausgabenblock. Nicht verwunderlich, dass Krankenkassen ein großes Interesse daran haben, dass Kliniken gut wirtschaften – und Krankenhäuser in den vergangenen Jahren viel reformieren mussten.

Die Ergebnisse dieser Bemühungen sind im internationalen Vergleich jedoch eher mäßig: Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in deutschen Kliniken ist bei vergleichbarer Qualität fast doppelt so hoch wie bei unseren Nachbarn in den Niederlanden. Auch gibt es in Deutschland dreimal so viel Krankenhausbetten wie in Dänemark und fast doppelt so viele wie in Holland.

Und auch im Digitalisierungsvergleich sieht es nicht gut aus: Während sich Dänemark und Holland im oberen Drittel bewegen, ist Deutschland im unteren zu finden. Als Kenner der Materie hat man den Eindruck, dass von Ärzten viel geklagt wird über mangelnde Budgets und wenig Innovation.

Für Kliniken ist die fehlende Innovation eine Katastrophe

Der Systemiker Fritz Simon sagte einmal, dass sich die Betriebswirtschaft und die Medizin vom wissenschaftlichen Standpunkt aus kulturell sehr ähneln würden. In der BWL käme nicht der Betrieb vor und in der Medizin nicht das Krankenhaus. Das ist sowohl für Mitarbeiter und Patienten als auch für das Budget bedauerlich. Für Kliniken ist die fehlende Innovation eine Katastrophe. Statt sie mit innovativen Konzepten zukunftsfähig zu machen, werden sie kaputt gespart.

Nicht so im UKE. Dort begann 2009 die digitale Revolution. Von da an war Schluss mit Stückwerk, Ausreden und Informationschaos, mit dem unleserlichen Herumkritzeln auf Patientenbögen oder eigenen Kladden. Mittlerweile setzt jeder Arzt während der Aufnahme seine Haken an einem der 10.000 Rechner, kann auf den vorhandenen Datenbestand an Patientenunterlagen verfügen sowie ergänzen. Und galt bis 2009 eine digitale Erfassung von Patientendaten als lästig, für Ärzte und Patienten feindlich, ja sogar lebensbedrohlich, weil in kurzer Zeit in der Notaufnahme über Leben und Tod entschieden wird, hat sich die IT mittlerweile als erfolgreich etabliert. Keiner im UKE möchte sie mehr missen.

Vorbild Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Das UKE ist mit 10.000 beschäftigten Menschen, 1.700 Betten, 400.000 Patienten und einem Umsatz von 1 Milliarde Euro eine der größten deutschen Kliniken. Das wäre heute sicher nicht so, wenn 2001 nicht restrukturiert worden wäre. Finanzielle Verluste und sinkende Patientenzahlen machten die Transformation damals notwendig. Und lagen vor 2001 nur 15 Prozent einer Patientenakte digital vor, sind es heute 99 Prozent. Um die beiden Rechenzentren mit einer Speicherkapazität von stolzen 1.000 Terabyte kümmern sich allerdings auch rund 100 IT-Spezialisten.