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die pädago-gischen ideen des steve jobs

Viele, die vor ein paar Jahren die spannende Steve Jobs Biografie von WalterIsaacson gelesen haben, kennen noch die Stelle, als Steve Jobs mit Barack Obama über ein neues, digitales Bildungssystem diskutierte. Jobs soll sehr frustriert darüber gewesen sein, wie wenig Obama seinen Ideen eine Umsetzungschance gab.

Die UNESCO hat vor zehn Jahren Jobs Ideen aufgenommen und Kindern in Eritrea iPads mit Selbstlernprogrammen zur Verfügung gestellt haben. Die Kids im Grundschulalter hatten noch keine Schule besucht und sollten so Mathe und Schreiben selbst erlernen. Das Experiment war erfolgreich.

Der Unternehmer Maurice de Hond suchte für eine seiner Töchter eine Grundschule und stellte dabei fest, dass die Schulen noch sehr ähnlich unterrichteten wie in seiner Schulzeit vor 30 Jahren. „Die Kinder leben in einer völlig anderen Welt, werden aber in ein veraltetes System gesteckt“, schimpft er. „Und dann werfen wir ihnen vor, dass sie sich nicht konzentrieren können, doch hinter dem Computer können sie es“, so der Unternehmer weiter. Das wollte er ändern und entwickelte mit Pädagogen die „Steve Jobs Schule“. Seit zwei Jahren gibt es nun „Steve Jobs Schulen“ in Holland.

Schüler der Steve Jobs-Schulen schneiden besser ab als Schüler konventioneller Schulen

In der „Steve Jobs-Schule“ erhält jedes Kind ein iPad mit Selbstlernprogrammen, die Lehrer verstehen sich als Coaches (Schlüssel: 1 Lehrer kommt auf 20 Kinder) und die Schüler bestimmen, was sie wann lernen. Am Ende muss aber in den Kernfächern ein bestimmtes Leistungsniveau erreicht sein. Jüngste Lernzielkontrollen zeigen, dass die Schüler der „Steve Jobs-Schulen“ im Durchschnitt 40 Prozent besser abschneiden als Schüler konventioneller Schulen.

25 Steve Jobs-Schulen gibt es inzwischen und 15 weitere eröffnen nächstes Jahr. Das Lernkonzept macht auch in Spanien und Südafrika Schule – Tendenz steigend. Derzeit besuchen in Holland 8.000 Kinder Steve Jobs-Schulen.

Für die Umstellung einer Schule auf das Steve Jobs-Konzept braucht es eine einmalige Investition von etwa 40.000 Euro. Der Unternehmer de Hond hat daraus ein Geschäft gemacht. Er stellte einen Mitarbeiter ab, der die Umstellung der Grundschulen begleitet.

Es wurde auch bereits versucht, das Konzept nach Deutschland zu implementieren. Mit einem vorhersehbaren Ergebnis: Nicht einmal Pilotschulen werden eingerichtet, in denen das pädagogische Konzept getestet werden könnte.

Tablets mit Selbstlernprogrammen

Derzeit gilt es in Deutschland, ca. 200.000 Migrantenkinder Mathe, Fremdsprachen, die deutsche Sprache und europäische Kultur beizubringen. Tablets mit Selbstlernprogrammen, die die Muttersprache mit den neuen Lerninhalten verbinden, ließen sich leicht integrieren. Die Investition dafür wäre sicher günstiger als pädagogische Fachkräfte in den unterschiedlichen Muttersprachen auszubilden. Das wäre allerdings sehr innovativ.

Meine Enkelin geht auf eine reformpädagogische Grundschule in Heidelberg. Dort werden noch die Methoden von Kerschensteiner und Bernfeld angewendet. Beide haben das Schulsystem in den 1920er-Jahren in Deutschland und Österreich revolutioniert. Ihre Nachfahren scheinen in Deutschland zwar in der Lage zu sein, die Methoden anwenden zu können. Die Ideen der Reformpädagogik scheinen sie jedoch nicht ins 21. Jahrhundert transferieren zu können. De Hond meint, es sei auch einfacher, sich über schwierige, lernunwillige Kinder zu echauffieren, die schlechte PISA-Ergebnisse erreichen. Das hatte sich Steve Jobs anders vorgestellt. Der leitete allerdings auch keine Schule.