Leistungen // Laterales Management

die Macht von "Unconscious Bias"

Stellen Sie sich die Bevölkerung von Florida vor...Und, was für ein Bild hatten Sie vor Augen? Florida, der Rentnerstaat, mit einer überwiegend älteren Bevölkerung? Die Statistik belegt diese Wahrnehmung jedoch nicht. Tatsächlich ist die Anzahl von Rentnern, die im sogenannten Rentnerparadies Florida leben, nur sehr geringfügig höher als in anderen US-amerikanischen Staaten. Was ist der Grund für eine solche Wahrnehmung?

Schuld hat die sogenannte „Unconscious Bias“, die unbewusste Vorannahme. Wir alle haben sie, auch ist sie nicht einfach „weg zu therapieren“. Sollte sie auch nicht, denn sie erfüllt auch eine wichtige Funktion: Die schnelle Entscheidung, ob ich beispielsweise einen Konflikt angehe, ihn lieber vermeide oder erstarre – was in gewissen Situationen lebensrettend sein kann.

Insbesondere, wenn wir unter Druck und Stress stehen und eher im Denksystem 1 unterwegs sind. Dann nämlich greift der Geist auf diese Grundannahme zurück. Solche Grundannahmen, die wir übernommen oder auf Basis unserer Erfahrungen entwickelt haben, sind durchaus auch hilfreich.

Leider aber wirken sie auch stark dysfunktional. Selbst, wenn wir fest davon überzeugt sind, nicht Opfer von Stereotypen zu sein, kann es uns erwischen. So stellt man zum Beispiel fest, dass Menschen, die im Implicit Association-Test einen hohen Wert hinsichtlich geschlechterbezogener Stereotypen aufweisen (unabhängig, ob Mann oder Frau), auch häufiger sexistische Witze reißen. Und ehrlich, jeder erwischt sich doch auch immer mal wieder bei dem Gedanken „typisch Mann“ oder „typisch Frau“.

Das hat auch negative Auswirkungen auf Performance-Bewertungen, Inhalte, Art und Weise von Mentoring-Programmen etc. Diverse Untersuchungen zeigen, dass gleiche Verhaltensweisen, wenn sie von Männern oder Frauen gezeigt werden, unterschiedlich bewertet werden. Während der Mann eher als kompetent und liebenswert bewertet wird, wird eine kompetente Frau als weniger liebenswert bewertet.

Eine Generationenfrage ist das nicht, denn über den Sexismus im Silicon Valley wird derzeit viel diskutiert. Denn Frauen finden viel schwieriger Investoren als Männer. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt dazu: „Damit hatte Eric Schmidt bestimmt nicht gerechnet: Der Verwaltungsratschef des Internetkonzerns Google nahm vor zwei Jahren an einer Podiumsdiskussion auf der Digitalkonferenz 'South by Southwest' im texanischen Austin teil. Neben ihm saßen Megan Smith, eine frühere Google-Managerin, die mittlerweile einen Posten in der amerikanischen Regierung angenommen hatte, sowie der Autor Walter Isaacson. Die Gruppe sprach unter anderem über die Notwendigkeit, die Präsenz von Frauen in der Technologiebranche zu steigern. Ganz am Ende meldete sich eine Frau aus dem Publikum zu Wort, und was sie sagte, klang erst unverfänglich. Sie wies auf Forschungsergebnisse hin, wonach Frauen häufiger beim Reden unterbrochen werden als Männer. Dann holte sie zur Attacke aus. Sie fragte Schmidt und Isaacson, ob ihnen eigentlich bewusst sei, dass sie Megan Smith in der vorangegangenen Debatte viel öfter ins Wort gefallen seien als sich gegenseitig. Im Saal brandete begeisterter Applaus auf. Die beiden Männer auf der Bühne lächelten gequält, keiner von ihnen nahm zu der Frage Stellung.“