Leistungen // Laterales Management

der gute, digitale hausgeist

Zwar versprechen Hersteller seit Jahren den Kühlschrank, der in Zukunft selbstständig Lebensmittel nachbestellt. Realisiert wird jedoch wenig. Die wirklichen Innovationen in der Küche sind heute analog: Neue, schicke Materialien für Oberflächen aus Stein oder ein sparsamer Verbrauch von Ressourcen. Und das, obwohl die Branche digital investiert: Gab es 2012 erst 76 Haushaltsgeräte mit Internetzugang, sind es inzwischen über 2000.

Dabei geht es nicht um Küchen, sondern um Kocherlebnisse. Denn das Kochen hat vor allem eine emotionale Seite: es geht um schmecken, mögen und nicht mögen, das gemeinsame Kochen und besonders das Ausprobieren. Die Digitalisierung in der Küche wird sich also nur durchsetzen, wenn die Köche etwas davon haben. Wenn sie weniger Arbeit, eine bessere Qualität, etwas lernen oder mehr Spaß in der Küche haben. Es geht also um eine Kulturveränderung, denn das Kochen und die Kultur sind genauso Klassiker wie die Musik und die Kultur oder der Text und die Kultur.

Weit weg von Digitalisierung

Einen richtigen Flop landete der Vorstand der BSH Hausgeräte (Bosch-Siemens-Hausgeräte), als er 2016 ein Video drehte, in dem Vorstände in dunklen Anzügen sehr abstrakt in einer kalten Managementsprache über die Digitalisierung von Küchen sprachen. Das die obere Etage des Unternehmens das Thema verfehlt hatte, zeigten auch die sehr negativen Reaktionen darauf.

Die Konkurrenz beschäftigt sich damit, dass der Kühlschrank den Verbraucher per Bildschirm informiert, wann Lebensmittel beispielsweise ablaufen (Haier). Oder sie entwickeln die Möglichkeit, vom Supermarkt aus einen Blick in den heimischen Kühlschrank zu werfen (Samsung). Das alles ist jedoch noch weit weg von Digitalisierung, der Vernetzung von Dingen bzw. Haushaltsgeräten.

Mykie – der gute Hausgeist

Mit Mykie (my kitchen elf) entwickelt BSH einen persönlichen Assistenten: Er kann sprechen, sieht aus wie eine Teekanne, steuert alle Haushaltsgeräte auf Wunsch und hat alle Kochbücher der Welt gespeichert. Ein Dialog mit Mykie könnte am Sonntagmorgen so beginnen: „Mykie, um 13.00 Uhr kommt die Familie zum Mittagessen. Was kann ich aus den Sachen im Kühlschrank, Tiefkühlfach und der Speisekammer kochen?“ Mykie plappert los und schlägt verschiedene Menüs vor. Der Koch entscheidet sich für ein Menü, Mykie steuert und berät den Kochprozess. Ob der Prototyp weiterentwickelt wird, entscheidet der BSH-Vorstand im Herbst 2017.

BSH hat mit seinem unfreiwillig humoristischen Vorstandsvideo viel gelernt. Wie auch der Kommentar des Multimediateams der BSH Hausgeräte zeigt: „Liebe Community, wir sind gerade auch ganz geflashed von den vielen Kommentaren. Okay, wir haben verstanden ;-).“ Aber, scheitern lohnt!