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Der computer soll Mitdenken

Bei vielen Schachfreunden dürfte beim Namen WATSON ein sehr ungutes Gefühl aufkommen. Es war dieser IBM-Computer der 1998 den damaligen Schachweltmeister Gari Kasparow schlug. Für viele Menschen war klar, dass Computer irgendwann die Welt beherrschen werden.

Doch die Runde ist noch nicht verloren. Im Wirtschaftsjahrbuch 2015; THE MACHINE AGE1, klären die Autoren auf. Mittelmäßige Schachspieler bezwingen den inzwischen viel leistungsstärkeren Watson regelmäßig. Wie schaffen die das? Natürlich nicht alleine. Sie benötigen dazu einen mittelmäßigen PC mit Schachprogrammen. Die Kombination Mensch – Maschine ist immer noch besser als Watson. Auch wenn der der leistungsfähigste Computer der Welt ist.

Marco Wehr, Physiker und Philosoph, fragte sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, FAZ, ob der Trend, dass Computer unser Leben bestimmen, denn überhaupt noch aufzuhalten sei? Die Logarithmen würden schließlich immer raffinierter. Grundsätzlich geht es um die beiden Begriffe RELEVANZ und ZAHLENFRESSEN. Was ist unter Zahlenfressen zu verstehen? Leistungsfähige Computer können heute Berechnungen durchführen, die in ihrer Quantität und auch in der Qualität von Hand niemals zu berechnen wären. Die Menschheit erhält dadurch wissenschaftliche Ergebnisse, die ohne Computer nicht möglich wären. „Durch die Verfügbarkeit von gigantischen Massenspeichern bekommt das Erkenntnisproblem noch eine zusätzliche Dimension: Die Datenmengen, die analysiert werden sollen, sind so riesig, dass der Computer zunehmend an die Stelle der Wissenschaftler tritt, mit Konsequenzen, die niemand absehen kann.“2 Das ist die Stärke von Computern, das Durchrechnen von exorbitanten Zahlenmengen.

Schwierig nur ist das mit der Relevanz. Ein Computer rechnet alles und kann nur schwer beurteilen, was wirklich wichtig ist. Frank Schirrmacher warnte bereits 2010 vor der systematischen Selbstentmächtigung moderner Gesellschaften durch mathematische Modelle. Sein Beispiel war die Simulation eines britischen Rechners zur Ascheausschüttung des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull. Das Analysieren von wenigen Daten hatte dazu geführt, dass ein großer Teil des Luftverkehrs still stand. Niemand wollte einen Fehler machen und dem Computer nicht vertrauen. Wäre es zu einem Flugzeugabsturz gekommen, wäre das fahrlässige Tötung von Passagieren gewesen. Letztlich hatte der Computer nicht relevante Daten als relevant ausgewiesen und niemand war mehr in der Lage, die Daten zu verifizieren.

Sozialwissenschaftler kennen diese Herausforderung: Wer viel misst, misst Mist! Es wird wohl noch lange beim Mitdenken bleiben und das ist gut so. Übrigens die GO – Partie ging fast unentschieden aus. Der GO Spieler braucht wohl einen PC!

 

1 Brynjolfsson, Erik; McAfee, Andrew (2014): The Second Machine Age. Wie die nächste digitale Revolution unser aller Leben verändern wird. Plassen, Kulmbach

2 Marco Wehr, Das wusste unser Lehrer ab besser. FAZ 9.4.2016, S. 12

Geschwill, Roland & Nieswandt, Martina, Laterales Management, Das Erfolgsprinzip für Unternehmen im digitalen Zeitalter, Springer 2016