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cebit – schau-fenstermesse für Gross-unternehmen

Obwohl sie schon häufig für tot erklärt wurde, findet die CeBIT auch dieses Jahr statt. Dabei ist in Zeiten disruptiver, digitaler Veränderung eine Digitalmesse ein Anachronismus. Alles verändert sich so schnell, dass die Kommunikation permanent wichtig ist – und sich nicht auf eine Woche im Jahr konzentrieren sollte.

Die Digitalisierung der Wirtschaft ist nicht IT

Es gibt eine Übung, die wir gerne in Wirtschaftsunternehmen anwenden: die „Via Negativa“. Das wenden wir mal auf die CeBIT an: Die CeBIT wurde als Computermesse gegründet, hat sich aber in den vergangenen Jahren rund um den Computer weiterentwickelt. Inzwischen ist jedoch „alles“ IT. Mein neuer Mercedes besteht mindestens aus so viel digitaler wie aus analoger Technik.

CeBIT ist die Abkürzung für „Centrum der Büro- und Informationstechnik“. Besonders nett sollte die Idee der Abkürzung BIT als kleinste Informationseinheit eines Computers sein. Der Begriff CeBIT ist allerdings komplett antiquiert. Die Messe war nie eine Messe für Bürotechnik. Wie Büros architektonisch und kommunikativ gestaltet werden können, wurde nämlich immer auf die IT reduziert. Die Büroarchitektur hat jedoch etwas mit Technik und Kultur zu tun. Und Kultur und Kommunikation ist mehr als Technologie.

Präsentationsfläche für Großunternehmen

Dabei hätte die CeBIT immer Innovationsmesse sein können. Eine Messe, auf der diskutiert wird, was man mit Hard- und Software alles machen kann und wie diese die Kommunikation verändert. Der interessanteste Teil der CeBIT 2016 waren daher die Diskussionen um die durch die Digitalisierung entstehende Datenflut. Andreas Hausmann von „HP Enterprise“ sagte zum Beispiel: „Die bestehende Datenflut werden wir mit der bestehenden IT und den vorhandenen Konzepten für Computer nicht bewältigen können.“ Und Jürgen Müller von SAP ergänzte: „Wir brauchen eine neue Generation von Computern.“

Auf US-amerikanischen Digitalisierungsevents werden Trendthemen diskutiert und darüber berichtet, was aktuell technisch geschieht und wie Unternehmen das angehen sollten. Das fehlt auf der CeBIT. Statt dessen gab es 2016 eine Diskussion der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn und der Telekom, dass diese ihre Kunden verstehen wollen. Es wurde angekündigt, dass man ab 2017 in deutschen Zügen Internet nutzen könne. Wow – man spürte dort richtig den heißen Atem der Veränderung von 260 aufgelisteten Digitalisierungsprojekten bei der Deutschen Bahn. Die CeBIT ist keine Innovationsmesse, sondern leider eine sehr langweilige Schaufenstermesse für die Präsentation von Großunternehmen.

Ohne Kulturwandel und Digitalisierung

Die Digitalisierung wird in den nächsten Jahren dazu führen, dass in Deutschland 60 Prozent aller Jobs gefährdet sind. Unternehmen stehen daher vor gravierenden Veränderungen: Wie werden Unternehmen zukünftig geführt? Wie wird dort entschieden und zusammengearbeitet? Wie gelernt und wie Innovation geschaffen?

Der Kulturwandel, der durch die Digitalisierung erzeugt wird, und wie Unternehmen die Transformation mit den Menschen in den Unternehmen, den Kunden und den Lieferanten gestalten, ist leider kein Teil der offiziellen CeBIT.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die CeBIT eine Informationstechnologie- und keine Digitalisierungsmesse ist. Das wäre aber die Chance auf die Zukunft. Doch dann müsste die Messe den Brand ändern. Unternehmen haben darauf längst reagiert und CDOs statt CIOs in die Vorstände aufgenommen. Mal sehen, wie die CeBIT 2017 wird. Totgesagte leben ja häufig länger – wenn sie in der Lage sind, sich zu transformieren.