Leistungen // Laterales Management

Angriff auf giganten

Ein Video-Clip des Dollar Shave Clubs fragte Leute, ob sie glaubten 20 Dollar im Monat für einen Rasierer zahlen zu müssen, an dem Tennis-Ikone Roger Federer, Werbe-Ikone beim Branchenprimus Gillette, 19 Dollar verdiene.

Das Video von Mike Dubin war der Beginn eines neuen Geschäftsmodells für Rasuren: Der Dollar Shave Club bietet seinen Kunden via Internet-Direkt-Vertrieb einen Standard-Rasierer für einen Dollar pro Monat an. Neben dem Kernangebot gibt es noch weitere Angebote wie Seifen und Hautcremes rund um die Rasur. Vor vier Jahren gegründet, wurde der Dollar Shave Club mittlerweile vom britisch-niederländischen Branchenriesen Unilever für eine Milliarde Dollar aufgekauft.

Quereinsteiger überraschen Giganten

Ausgerechnet Procter & Gamble, der Mutterkonzern von Gillette, mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent hat sich hier von einem Quereinsteiger überraschen lassen:

„Procter & Gamble zeichnet sich nicht nur in der Art, wie das Unternehmen gemanagt wird, aus, sondern besonders, wie es mit Kreativität, Innovation und dem Erforschen von Kundenbedürfnissen umgeht. Das Unternehmen geht in diesen Feldern ausgesprochen experimentell, ja fast wissenschaftlich vor. Berühmt ist die Geschichte, wie P&G die Marke „Pampers“ entwickelte. Wegwerfwindeln gab es in den USA bereits seit 1949 von Johnson & Johnson unter der Marke CHUX. P&G beobachtete den Markt fünf Jahre lang und investierte besonders in die Analyse der Konkurrenz. Im Vordergrund standen die Probleme von CHUX und des Produkts. Erst als P&G eine Windel entwickelt hatten, die mehr Flüssigkeit absorbierte, dichter schloss, angenehmer zu tragen war, billiger zu produzieren war und in mehreren Größen vertrieben werden konnte, betraten sie den Markt. Innovativ zu sein bedeutet nicht immer Erster zu sein. Die Zeitschrift Forbes bewertete 2014 den Markenwert von Pampers auf 7,5 Milliarden Euro. Die Windeln werden von 25 Millionen Kleinstkindern in 100 Ländern getragen. Die Marke CHUX wurde dagegen von Johnson & Johnson in den 1970er-Jahren vom Markt genommen.“

Rollen neu verteilt

Gillette ist heute CHUX und der Dollar Shave Club ist Pampers der 1960er-Jahre: Die Digitalisierung bringt selbst innovative Unternehmen in Schwierigkeiten. Es gibt keine Sicherheiten mehr, denn Gillette hat ca. zehn Prozent Marktanteil in den vergangenen Jahren im Rasiergeschäft verloren. Brillen werden in den USA heute übrigens ähnlich vermarktet wie Rasierer.