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Führen mit Achtsamkeit

Neben dem inspirierenden Vortrag von Matthias Horx zu ACHTSAMKEIT EIN GEGENTERND? gab es viel Klamauk aus den 1970er Jahren wie Encounter-Übungen, Zen-Sessions, Intuition Walk und Yoga. Schon 2015 und 2016 auf den Weltwirtschaftsforen in Davos waren Meditationen die am besten besuchten Veranstaltungen.1

Achtsamkeitskonferenzen oder, wie Amerikaner sagen, Mindfulness-Kongresse liegen im Trend. Matthias Horx machte denn auch drei Stoßrichtungen der neuen Führungsbewegung aus:

1.    Isolatorische Achtsamkeit: Rückzug in uns (tradierter Zen).

2.    Achtsamkeit als Arbeitsprogramm: Meditation zur Selbstausbeutung.

3.    Achtsamkeit als verträumtes Idyll: Flucht in eine romantische Weltsicht.

Neu ist der Begriff Mindfulness übrigens nicht. Er stammt von Ellen Langer aus den 1960er-Jahren und hat wenig mit der heutigen Achtsamkeitsbewegung in deutschen Führungsetagen zu tun. Langer ging es vielmehr um kognitive Denkmuster und wie man diese verändern kann: Gedankenfülle erweitern und mehr Möglichkeiten der Veränderung für den Einzelnen zu erkennen.

Keine Ansprechpartner für die Wirtschaft.

Wie lässt sich nun die Veranstaltung bewerten. Die Organisatoren hatten sich zum Ziel gesetzt die anwesenden Berater und Trainer näher an die Wirtschaft zu bringen.  So hatte auch der erste Vortrag den Titel: Es ist möglich; - über Achtsamkeit im Unternehmen. Der Anspruch wurde dann durch zwei Referenten leider nicht eingelöst. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und der österreichische ATTAC-Gründer Christian Felber bedienten typisch antikapitalistische Muster. Felber malte das böse Bild des Kapitalismus, das nur durch eine Gemeinwohlökonomie gezähmt werden könne. Wirtschaft ist von der Gier geprägt und tue nichts für das Gemeinwesen. Peter Bofinger redete der fehlenden staatlichen Steuerung von Angela Merkel das Wort, die zu wenig in die Zukunft investieren würde und zu wenig Schulden mache. Bofinger ist unter den Wirtschaftsweisen umstritten, Er gilt als linker Gewerkschaftsökonom. Dass beide auf der Konferenz referierten war Klasse. Was schwierig war, dass ihnen kaum widersprochen wurde. Wenn der Trend ACHTSAMKEIT bedeutet, dass Unternehmen und Manager als kapitalistisch und damit nicht achtsam diskreditiert werden, dann sind die Achtsamkeitstrainer und –berater, die in Holzkirchen waren, keine ernstzunehmende Ansprechpartner für die Wirtschaft.

Die Bewegung strebt in verschiedene Richtungen, ähnlich wie das Matthias Horx vrogetragen hat. Ein Trend, wie Achtsamkeitskonzepte in der Wirtschaft umgesetzt werden sollen, war auf der Konfrenz nicht erkennbar. Wir wünschen den Initiatoren der deutschen  MIND-Conference, die mit viel Idealismus die Veranstaltung organisiert haben, dass sie ihren Wirtschaftsbegriff schärft. Wirtschaften braucht freie Unternehmer und weniger staatliche Steuerung – mit oder ohne Yoga und Zen Meditation. Und es braucht einen kritischen Diskurs über ernstzunehmende Zukunftsentwürfe der Wirtschaft. Nur wer dialogfähig ist, kann Wirtschaft verändern.


Quellen:

1 Geschwill, Roland & Nieswandt, Martina, Laterales Management, Das Erfolgsprinzip für Unternehmen im digitalen Zeitalter, Springer 2016